Verfahren

Kognitive Verhaltenstherapie

Therapie mit klaren Zielen und Übungen zwischen den Sitzungen. Am besten belegt bei Angststörungen. Auch bei Depression, Zwang und Essstörungen durch systematische Reviews gestützt.

Studienlage: breit belegt · stärkste Quelle Evidenzstufe A

Cochrane-Review mit über 80 randomisierten Studien bei Angststörungen. Gut belegt auch bei Depression, bei Zwang auf älterer und kleinerer Datenbasis.

Was die Evidenzstufen A bis D bedeuten

Was ist KVT?

Kognitive Verhaltenstherapie, kurz KVT (international CBT), arbeitet an zwei Stellen. Am Verhalten: Das Kind übt Schritt für Schritt, was ihm Angst macht oder was es vermeidet. Und an den Gedanken: Gemeinsam mit der Therapeut:in prüft es Annahmen wie „Wenn ich mich melde, lachen alle“.

Eine KVT hat klare Ziele. Zwischen den Sitzungen gibt es Übungen für zu Hause. In Deutschland ist die Verhaltenstherapie ein Richtlinienverfahren, die gesetzliche Krankenkasse zahlt sie.

Was sagt die Forschung?

Bei Angststörungen sind die Belege am stärksten. Ein aktualisierter Cochrane-Review fasst mehr als 80 randomisierte kontrollierte Studien zusammen und zeigt, dass KVT bei Angststörungen im Kindes- und Jugendalter wirkt.

Bei Depression senkt KVT die Beschwerden, so ein systematischer Review mit Meta-Regression, bei mittlerer Qualität der Belege. Für Eltern interessant: Die Effekte waren größer, wenn die Therapie Verhaltensaktivierung enthielt, also gezielt wieder Dinge in den Alltag holt, die gut tun, und wenn die Eltern einbezogen waren.

Bei Zwangsstörungen spricht ein Cochrane-Review dafür, dass Verhaltenstherapie und KVT helfen. Diese Übersicht ist älter und stützt sich auf wenige Studien. Die Aussage bleibt deshalb vorsichtiger als bei Angst und Depression.

Bei Essstörungen hängt viel von Diagnose, Alter und Schwere ab. Für viele Jugendliche mit Anorexie ist eine familienbasierte Therapie die erste Wahl, so steht es auch in der deutschen S3-Leitlinie. Bei Bulimie und Binge-Eating ist KVT gut belegt, besonders in ihrer weiterentwickelten Form CBT-E. Für die stationäre Behandlung schwerer Anorexie berichtet eine Übersichtsarbeit der Arbeitsgruppe, die CBT-E entwickelt hat, dass rund 80 Prozent der Jugendlichen bis zur Zwölf-Monats-Nachuntersuchung ein normales Gewicht erreichten. Diese Zahl stammt aus Studien ohne Kontrollgruppe. Bei starkem Untergewicht oder körperlicher Gefährdung geht die medizinische Sicherheit immer vor, oft in einer Klinik.

Wann wird KVT eingesetzt?

Typische Anlässe:

  • Angststörungen wie Trennungsangst, soziale Angst, generalisierte Angst oder Panik. Hier ist die Studienlage am belastbarsten.
  • Depression im Jugendalter, mit Verhaltensaktivierung und Einbezug der Eltern.
  • Zwangsstörungen, mit Expositionsübungen: Das Kind lässt das Händewaschen oder Kontrollieren bewusst weg und hält die Unruhe aus, bis sie nachlässt.
  • Essstörungen, vor allem Bulimie und Binge-Eating, und als Baustein der stationären Behandlung bei schwerer Anorexie.
  • Spezifische Phobien, etwa vor Hunden, Spritzen oder dem Erbrechen.

Was ist zu beachten?

KVT braucht ein Kind, das zumindest ein Stück weit mitmacht. Übungen zu Hause gehören dazu, für das Kind und oft auch für die Eltern. Bei sehr jungen Kindern oder sehr starken Beschwerden kann eine zusätzliche kinder- und jugendpsychiatrische Begleitung sinnvoll sein, manchmal auch ein anderes Verfahren.

In den ersten Wochen bleiben die Beschwerden oft gleich oder werden kurz stärker, weil das Kind sich zum ersten Mal Dingen stellt, die es bisher vermieden hat. Ändert sich über viele Wochen gar nichts, sprecht das an. Dann sollte die Therapeut:in ihr Vorgehen überprüfen.

Was bedeutet das konkret für euer Kind?

Fragen vor dem Start:

  1. Lässt sich das Problem klar benennen und steht es im Vordergrund, zum Beispiel „geht wegen Angst nicht mehr in die Schule“?
  2. Ist euer Kind bereit, Übungen auszuprobieren, auch wenn sie unangenehm sind?
  3. Könnt ihr die Übungen zu Hause begleiten, ohne Druck zu machen?

Eine erste Einschätzung bekommt ihr in einer kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischen Sprechstunde.

Quellen

Die Evidenzstufen A bis D sind auf der Redaktionsseite erklärt.

  • James A.C. et al. (2020). Cognitive behavioural therapy for anxiety disorders in children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.cd013162.pub2. Cochrane-Review, Evidenzstufe A.
  • Oud M. et al. (2019). Effectiveness of CBT for children and adolescents with depression: A systematic review and meta-regression analysis. European Psychiatry. DOI: 10.1016/j.eurpsy.2018.12.008. Systematischer Review mit Meta-Regression, Evidenzstufe A.
  • O’Kearney R.T. et al. (2006). Behavioural and cognitive behavioural therapy for obsessive compulsive disorder in children and adolescents. Cochrane Database of Systematic Reviews. DOI: 10.1002/14651858.cd004856.pub2. Cochrane-Review, Evidenzstufe A (wenige Studien).
  • Vogel E.N. et al. (2021). A systematic review of cognitive behavior therapy and dialectical behavior therapy for adolescent eating disorders. Journal of Eating Disorders. DOI: 10.1186/s40337-021-00461-1. Systematischer Review, Evidenzstufe A.
  • Dalle Grave R., Calugi S. (2024). Enhanced cognitive behaviour therapy for adolescents with eating disorders: development, effectiveness, and future challenges. BioPsychoSocial Medicine. DOI: 10.1186/s13030-024-00315-7. Übersichtsarbeit über überwiegend unkontrollierte Studien, Evidenzstufe C.
  • AWMF (2019). S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Essstörungen (Register-Nr. 051-026, Stand 2019, in Überarbeitung). register.awmf.org/de/leitlinien/detail/051-026. Leitlinie, AWMF-Klasse S3.

Quellen recherchiert im Mai 2026 und mit den Originalpublikationen abgeglichen. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose oder Behandlung. Ob ein Verfahren zu eurem Kind passt, klärt eine Sprechstunde. Angaben zur Wirksamkeit beziehen sich auf die hier genannten Quellen. Sie sind kein Erfolgsversprechen für den Einzelfall.

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