Notfall

Bei akuter Gefahr sofort handeln

Wenn ein Kind oder Jugendlicher sich selbst oder andere gefährden könnte: nicht warten, nicht erst einen Therapieplatz suchen. Direkt anrufen.

Wann ist es ein Notfall?

Akute Warnsignale

  • Konkrete Suizidankündigung, Suizidplan oder Suizidversuch
  • Selbstverletzung mit starker Blutung, tiefer Wunde oder akuter Wiederholungsgefahr
  • Schwere Verwirrtheit, Stimmenhören, Realitätsverlust oder kaum weckbarer Zustand
  • Verdacht auf Vergiftung, Überdosis oder starke Intoxikation
  • Rausch- oder Entzugszustand mit Eigen- oder Fremdgefährdung
  • Ohnmacht, Krampfanfall, schwere Kreislaufprobleme oder deutliche Austrocknung
  • Nahrungs- oder Flüssigkeitsverweigerung mit rascher körperlicher Verschlechterung
  • Akute Aggression mit unmittelbarer Gefährdung für das Kind oder andere
  • Mehrere Nächte fast ohne Schlaf mit starker Unruhe, Verwirrtheit oder Entgleisung

Trifft eines dieser Signale zu, geht der erste Anruf an die 112, die Kinderklinik-Notaufnahme oder die nächste kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz. Eine ambulante Praxis ist dafür die falsche erste Adresse.

Bis Hilfe da ist

Suizidgedanken und Selbstverletzung

Wenn euer Kind sich das Leben nehmen will

  • Bleibt bei eurem Kind oder sorgt dafür, dass eine vertraute erwachsene Person bei ihm ist.
  • Fragt direkt nach: „Denkst du daran, dir das Leben zu nehmen?“ Die Frage bringt niemanden erst auf die Idee.
  • Bringt gefährliche Mittel außer Reichweite: Medikamente, auch frei verkäufliche, Messer und Klingen, Seile und Gürtel, Schlüssel zu Waffen oder Dachböden.
  • Bei einem Plan, einer Ankündigung oder einem Versuch: sofort 112 oder die Notaufnahme der nächsten Kinderklinik.

Wenn euer Kind sich selbst verletzt, ohne sterben zu wollen

  • Versorgt die Wunde oder lasst sie ärztlich versorgen. Bei starker Blutung oder tiefer Wunde: 112.
  • Bleibt ruhig und fragt, wie es eurem Kind gerade geht. Strafen und Verbote machen es meist heimlicher.
  • Klärt in den nächsten Tagen einen Termin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der psychotherapeutischen Sprechstunde.
  • Selbstverletzung und Suizidgedanken können zusammen auftreten. Fragt deshalb auch nach Todeswünschen.

Sofortige Anlaufstellen vor Ort

Ambulanzen, SPZ und Kinderklinik

  • Kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz oder Institutsambulanz (KJP-Ambulanz) der nächsten Klinik. In jeder größeren Stadt gibt es eine. Im Notfall nehmen viele ohne Termin auf.
  • Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ): erste medizinische Adresse für Kinder bei Fragen zu Entwicklung, Verhalten oder Nervensystem.
  • Kinderklinik-Notaufnahme: bei akuten körperlichen oder psychischen Notfällen rund um die Uhr.
  • Krisendienst des Bundeslandes: Viele Bundesländer haben eigene psychiatrische Krisendienste, die auch nach Hause kommen. In Bayern: 0800 655 3000. In Berlin: 030 390 63 10 oder die regionalen Standortnummern. In NRW oft über die Klinik vor Ort.
  • Giftnotruf bei Verdacht auf Vergiftung oder Überdosierung: das Giftinformationszentrum eures Bundeslandes. Ist das Kind kaum ansprechbar, krampft es oder bekommt es schlecht Luft, direkt 112.

Konkrete Anlaufstellen vor Ort: das Verzeichnis der Klinikambulanzen (Kinder- und Jugendpsychiatrie) und das SPZ-Verzeichnis, beide nach Bundesland mit Telefon.

Beratung am Telefon

Anonyme und kostenlose Hilfetelefone

Telefonseelsorge

0800 111 0 111

oder 0800 111 0 222

Rund um die Uhr erreichbar, auch unter der Kurznummer 116 123. Anonym, kostenlos, auch für Eltern in der Krise.

Mehr Informationen

Nummer gegen Kummer, Kinder- und Jugendtelefon

116 111

Montag bis Samstag 14 bis 20 Uhr. Anonym und kostenlos für Kinder und Jugendliche.

Mehr Informationen

Nummer gegen Kummer, Elterntelefon

0800 111 0 550

Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr. Anonym und kostenlos für Eltern.

Mehr Informationen

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch

0800 22 55 530

Anonym und kostenlos, auch für Eltern, Bezugspersonen und Fachkräfte. Sprechzeiten: Montag, Mittwoch und Freitag 9 bis 14 Uhr, Dienstag und Donnerstag 15 bis 20 Uhr.

Mehr Informationen

Was diese Seite nicht ist

Hinweise zur Notfallseite

Diese Seite ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder psychiatrische Versorgung und keinen Krisendienst. Sie ist eine Orientierungshilfe für Eltern und Bezugspersonen.

Im Zweifel ruft die 112 an. Die Leitstelle entscheidet, ob ein Rettungswagen, eine Polizeibegleitung oder ein psychiatrischer Krisendienst angemessen ist.

Die wichtigsten Nummern gibt es als Notfallkarte zum Ausdrucken, etwa für die Kühlschranktür oder den Ranzen.

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