Konkrete Suizidankündigung, Suizidplan oder Suizidversuch
Selbstverletzung mit starker Blutung, tiefer Wunde oder akuter Wiederholungsgefahr
Schwere Verwirrtheit, Stimmenhören, Realitätsverlust oder kaum weckbarer Zustand
Verdacht auf Vergiftung, Überdosis oder starke Intoxikation
Rausch- oder Entzugszustand mit Eigen- oder Fremdgefährdung
Ohnmacht, Krampfanfall, schwere Kreislaufprobleme oder deutliche Austrocknung
Nahrungs- oder Flüssigkeitsverweigerung mit rascher körperlicher Verschlechterung
Akute Aggression mit unmittelbarer Gefährdung für das Kind oder andere
Mehrere Nächte fast ohne Schlaf mit starker Unruhe, Verwirrtheit oder Entgleisung
Trifft eines dieser Signale zu, geht der erste Anruf an die 112, die Kinderklinik-Notaufnahme oder die nächste kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz. Eine ambulante Praxis ist dafür die falsche erste Adresse.
Bis Hilfe da ist
Suizidgedanken und Selbstverletzung
Wenn euer Kind sich das Leben nehmen will
Bleibt bei eurem Kind oder sorgt dafür, dass eine vertraute erwachsene Person bei ihm ist.
Fragt direkt nach: „Denkst du daran, dir das Leben zu nehmen?“ Die Frage bringt niemanden erst auf die Idee.
Bringt gefährliche Mittel außer Reichweite: Medikamente, auch frei verkäufliche, Messer und Klingen, Seile und Gürtel, Schlüssel zu Waffen oder Dachböden.
Bei einem Plan, einer Ankündigung oder einem Versuch: sofort 112 oder die Notaufnahme der nächsten Kinderklinik.
Wenn euer Kind sich selbst verletzt, ohne sterben zu wollen
Versorgt die Wunde oder lasst sie ärztlich versorgen. Bei starker Blutung oder tiefer Wunde: 112.
Bleibt ruhig und fragt, wie es eurem Kind gerade geht. Strafen und Verbote machen es meist heimlicher.
Klärt in den nächsten Tagen einen Termin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der psychotherapeutischen Sprechstunde.
Selbstverletzung und Suizidgedanken können zusammen auftreten. Fragt deshalb auch nach Todeswünschen.
Sofortige Anlaufstellen vor Ort
Ambulanzen, SPZ und Kinderklinik
Kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz oder Institutsambulanz (KJP-Ambulanz) der nächsten Klinik. In jeder größeren Stadt gibt es eine. Im Notfall nehmen viele ohne Termin auf.
Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ): erste medizinische Adresse für Kinder bei Fragen zu Entwicklung, Verhalten oder Nervensystem.
Kinderklinik-Notaufnahme: bei akuten körperlichen oder psychischen Notfällen rund um die Uhr.
Krisendienst des Bundeslandes: Viele Bundesländer haben eigene psychiatrische Krisendienste, die auch nach Hause kommen. In Bayern: 0800 655 3000. In Berlin: 030 390 63 10 oder die regionalen Standortnummern. In NRW oft über die Klinik vor Ort.
Giftnotruf bei Verdacht auf Vergiftung oder Überdosierung: das Giftinformationszentrum eures Bundeslandes. Ist das Kind kaum ansprechbar, krampft es oder bekommt es schlecht Luft, direkt 112.
Anonym und kostenlos, auch für Eltern, Bezugspersonen und Fachkräfte. Sprechzeiten: Montag, Mittwoch und Freitag 9 bis 14 Uhr, Dienstag und Donnerstag 15 bis 20 Uhr.
Diese Seite ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder psychiatrische Versorgung und keinen Krisendienst.
Sie ist eine Orientierungshilfe für Eltern und Bezugspersonen.
Im Zweifel ruft die 112 an. Die Leitstelle entscheidet, ob ein Rettungswagen, eine Polizeibegleitung oder ein psychiatrischer Krisendienst angemessen ist.
Die wichtigsten Nummern gibt es als Notfallkarte zum Ausdrucken, etwa für die Kühlschranktür oder den Ranzen.