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Therapieverfahren im Vergleich: Welche Kindertherapie passt wofür?

Welches Verfahren passt, ergibt sich aus dem, was euer Kind belastet. Das klärt die Diagnostik in der Sprechstunde. Diese Übersicht hilft euch, die Begriffe einzuordnen, die dort fallen: was die vier Kassenverfahren und die zwei Traumamethoden unterscheidet und wie gut sie bei Kindern und Jugendlichen untersucht sind. Zu jedem Verfahren gibt es eine eigene Seite mit Quellen.

Die vier Richtlinienverfahren

Richtlinienverfahren sind die Psychotherapien, die der Gemeinsame Bundesausschuss in die Psychotherapie-Richtlinie aufgenommen hat. Für gesetzlich Versicherte zahlt die Krankenkasse sie. Bei Kindern und Jugendlichen sind das Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie. Seit Januar 2024 gehört auch die Systemische Therapie dazu. Die vier unterscheiden sich darin, wie lange sie dauern, wie viel geübt wird und wie stark die Familie mit am Tisch sitzt.

VerfahrenKurzStudienlageHäufig bei
KVT Kognitive Verhaltenstherapie breit belegt (Stufe A) Angst, Panik und Unsicherheit, Depression, Rückzug und Selbstwert, Zwänge und wiederkehrende Gedanken
TP Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie begrenzt belegt (Stufe A) Depression, Rückzug und Selbstwert, Angst, Panik und Unsicherheit
AP Analytische Psychotherapie kaum kontrollierte Studien (Stufe C) Depression, Rückzug und Selbstwert, Angst, Panik und Unsicherheit
Systemisch Systemische Therapie belegt, kleinere Studienbasis (Stufe A) Elternüberlastung und Familienkonflikte, Schulvermeidung und Leistungsdruck
TF-KVT * Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) gut belegt bei PTBS (Stufe A) Trauma und Belastungsreaktionen
EMDR * EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) belegt bei PTBS (Stufe A) Trauma und Belastungsreaktionen

* Spezialmethode für Kinder und Jugendliche nach einem Trauma. Die Evidenzstufe nennt die stärkste vorhandene Quelle, die Buchstaben erklärt die Redaktionsseite.

Kognitive Verhaltenstherapie

Studienlage: breit belegt (Stufe A) Altersbereich: etwa 6 bis 18 Jahre Kosten: Kassenleistung für gesetzlich Versicherte

Therapie mit klaren Zielen und Übungen zwischen den Sitzungen. Am besten belegt bei Angststörungen. Auch bei Depression, Zwang und Essstörungen durch systematische Reviews gestützt.

Cochrane-Review mit über 80 randomisierten Studien bei Angststörungen. Gut belegt auch bei Depression, bei Zwang auf älterer und kleinerer Datenbasis.

Häufig eingesetzt bei: Angst, Panik und Unsicherheit, Depression, Rückzug und Selbstwert, Zwänge und wiederkehrende Gedanken, Essstörungen und Körperbild.

KVT im Detail, mit Quellen

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Studienlage: begrenzt belegt (Stufe A) Altersbereich: etwa 11 bis 18 Jahre Kosten: Kassenleistung für gesetzlich Versicherte

Richtlinienverfahren, das mit unbewussten Konflikten und Beziehungsmustern arbeitet. Für Kinder und Jugendliche gibt es deutlich weniger Studien als zur Verhaltenstherapie.

Für psychodynamische Kurzzeittherapie bei Jugendlichen eine Meta-Analyse und eine große randomisierte Studie bei Depression. Wirkte dort vergleichbar mit anderen Behandlungen, nicht besser.

Häufig eingesetzt bei: Depression, Rückzug und Selbstwert, Angst, Panik und Unsicherheit.

TP im Detail, mit Quellen

Analytische Psychotherapie

Studienlage: kaum kontrollierte Studien (Stufe C) Altersbereich: etwa 6 bis 18 Jahre Kosten: Kassenleistung für gesetzlich Versicherte

Psychoanalytisch begründetes Richtlinienverfahren, länger und mit mehr Sitzungen pro Woche als die tiefenpsychologische Therapie. Zur Langzeitform bei Kindern und Jugendlichen gibt es kaum kontrollierte Studien.

Für die Langzeitform nur Studien aus dem Praxisalltag ohne randomisierte Kontrollgruppe. Die Daten aus Kurzzeitstudien lassen sich nicht einfach übertragen.

Häufig eingesetzt bei: Depression, Rückzug und Selbstwert, Angst, Panik und Unsicherheit.

AP im Detail, mit Quellen

Systemische Therapie

Studienlage: belegt, kleinere Studienbasis (Stufe A) Altersbereich: etwa 0 bis 18 Jahre Kosten: Kassenleistung für gesetzlich Versicherte

Familienorientiertes Verfahren. Eltern und oft auch Geschwister kommen mit in die Sitzungen, gearbeitet wird an den Mustern zwischen ihnen. Seit Januar 2024 auch für Kinder und Jugendliche in der Psychotherapie-Richtlinie.

Systematische Reviews zeigen Wirkung bei Störungen des Sozialverhaltens sowie bei Angst und Depression. Es gibt weniger Studien als zur Verhaltenstherapie.

Häufig eingesetzt bei: Elternüberlastung und Familienkonflikte, Schulvermeidung und Leistungsdruck.

Systemisch im Detail, mit Quellen

Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) (Spezialmethode)

Studienlage: gut belegt bei PTBS (Stufe A) Altersbereich: etwa 6 bis 18 Jahre

Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche nach einem Trauma, meist 12 bis 25 Sitzungen. Ein Elternteil oder eine andere stabile Bezugsperson arbeitet in der Regel aktiv mit.

Meta-Analysen randomisierter Studien zeigen Wirkung bei posttraumatischer Belastungsstörung. Leitlinie: S3-Leitlinie PTBS (AWMF 155-001).

Häufig eingesetzt bei: Trauma und Belastungsreaktionen.

TF-KVT im Detail, mit Quellen

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) (Spezialmethode)

Studienlage: belegt bei PTBS (Stufe A) Altersbereich: etwa 6 bis 18 Jahre

Traumafokussierte Psychotherapie. Während das Kind an die belastende Erinnerung denkt, folgt es zum Beispiel mit den Augen der Hand der Therapeutin. Eingesetzt bei posttraumatischer Belastungsstörung, für Kinder ab dem Schulalter angepasst.

Meta-Analyse randomisierter Studien bei Kindern und Jugendlichen mit PTBS. Weniger Studien als zur TF-KVT. Leitlinie: S3-Leitlinie PTBS (AWMF 155-001).

Häufig eingesetzt bei: Trauma und Belastungsreaktionen.

EMDR im Detail, mit Quellen

Wie findet ihr das passende Verfahren?

Eine Rangliste hilft dabei wenig. Entscheidend sind das Störungsbild, das Alter und das Kind. Bei klar umschriebenen Beschwerden wie einer Angststörung ist die Verhaltenstherapie am breitesten untersucht. Wenn sich Schwierigkeiten durch Beziehungen und Entwicklung ziehen und schwer zu greifen sind, kann ein tiefenpsychologisches oder analytisches Verfahren passen. Die Systemische Therapie holt die Familie am stärksten mit in den Raum.

In der Praxis entscheidet oft auch, wer einen Platz frei hat. Fragt in der Sprechstunde ruhig nach, warum die Therapeutin ihr Verfahren für euer Kind passend findet. Wie ihr zur Sprechstunde kommt, steht im Hilfeweg. Praxen mit dem jeweiligen Verfahren findet ihr in der Therapeutensuche.

Häufige Fragen

Welches Verfahren ist das beste für mein Kind?

Ein bestes Verfahren für alle gibt es nicht. Was passt, hängt vom Störungsbild, vom Alter und vom Kind selbst ab. Eine erste fachliche Einschätzung bekommt ihr in der psychotherapeutischen Sprechstunde. Bei klar umschriebenen Beschwerden wie Angststörungen ist die Verhaltenstherapie am breitesten untersucht. Andere Verfahren können trotzdem passen.

Zahlt die Krankenkasse alle Verfahren?

Für gesetzlich Versicherte zahlt die Krankenkasse die vier Richtlinienverfahren: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und Systemische Therapie. Die TF-KVT ist eine Form der Verhaltenstherapie. EMDR hat der G-BA 2014 als Methode bei Erwachsenen mit PTBS in die Richtlinie aufgenommen. Ob EMDR bei eurem Kind Teil einer Kassentherapie sein kann, fragt ihr am besten direkt in der Praxis. Privatversicherte klären die Erstattung mit ihrer Versicherung.

Was bedeuten die Evidenzstufen A bis D?

Die Stufe nennt die Art der stärksten Quelle für ein Verfahren: A steht für Meta-Analysen und systematische Reviews, B für einzelne randomisierte Studien, C für Beobachtungsstudien ohne zufällige Kontrollgruppe, D für Fachkonsens. Sie sagt, wie gut ein Verfahren bei Kindern und Jugendlichen untersucht ist. Ob es bei eurem Kind wirkt, sagt sie nicht. Mit den AWMF-Leitlinienklassen S1, S2k und S3 hat diese Skala nichts zu tun.

Stand: . Die Angaben zur Studienlage fassen die Quellen zusammen, die auf den Detailseiten der Verfahren genannt sind, also Leitlinien, systematische Reviews und einzelne Studien. Bei Verwendung bitte mit Quelle: EmotionalEffects, Therapieverfahren im Vergleich, emotionaleffects.de/therapieverfahren-vergleich. Die Übersicht ersetzt keine fachliche Beratung.

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