Verfahren

Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT)

Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche nach einem Trauma, meist 12 bis 25 Sitzungen. Ein Elternteil oder eine andere stabile Bezugsperson arbeitet in der Regel aktiv mit.

Studienlage: gut belegt bei PTBS · stärkste Quelle Evidenzstufe A · S3-Leitlinie PTBS (AWMF 155-001)

Meta-Analysen randomisierter Studien zeigen Wirkung bei posttraumatischer Belastungsstörung.

Was die Evidenzstufen A bis D bedeuten

Was ist TF-KVT?

Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie, kurz TF-KVT (international TF-CBT), ist eine strukturierte Psychotherapie für Kinder und Jugendliche nach einem belastenden Ereignis. Sie nimmt Übungen aus der kognitiven Verhaltenstherapie und ergänzt sie um traumaspezifische Bausteine. Das Kind lernt, was ein Trauma im Körper und im Kopf auslöst. Es übt, sich zu beruhigen und Gefühle zu benennen. Später erzählt es Schritt für Schritt, was passiert ist, oft als eigene kleine Geschichte, und prüft mit der Therapeut:in Gedanken wie „Ich bin schuld“.

Üblich sind 12 bis 25 Sitzungen. Ein Elternteil oder eine andere stabile Bezugsperson arbeitet aktiv mit, teils in eigenen Sitzungen.

Was sagt die Forschung?

Ein systematischer Review mit Meta-Analyse der randomisierten Studien zeigt, dass TF-KVT die Beschwerden einer posttraumatischen Belastungsstörung bei Kindern und Jugendlichen wirksam verringern kann. Eine Netzwerk-Meta-Analyse, die verschiedene Behandlungen bei PTBS im Kindes- und Jugendalter direkt miteinander vergleicht, zählt TF-KVT zu den wirksamsten Ansätzen.

Die deutsche S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung führt TF-KVT als eine der empfohlenen Erstlinien-Behandlungen bei PTBS. Den genauen Empfehlungsgrad nennt die Langfassung.

Wann wird TF-KVT eingesetzt?

Wenn nach einem einzelnen Trauma oder mehreren belastenden Ereignissen eine PTBS oder traumatypische Beschwerden vorliegen. Vorher braucht es eine sorgfältige Diagnostik. Stabilisierende Schritte können je nach Alter, Belastung und aktueller Sicherheit sinnvoll sein. Eine starre Voraussetzung sind sie nicht.

Das Verfahren gibt es vom Vorschulalter bis ins Jugendalter, mit Übungen, die zum Alter passen.

Was ist zu beachten?

Die Bezugsperson ist fester Teil der Behandlung. Ist sie selbst stark belastet oder hat dasselbe Ereignis erlebt, braucht sie oft eigene Unterstützung. Das gehört gleich ins erste Gespräch.

Die Phase, in der das Kind über das Erlebte spricht, kann vorübergehend anstrengend sein. TF-KVT gehört in die Hand von Therapeut:innen mit entsprechender Fortbildung und Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen.

Was bedeutet das konkret für euer Kind?

Fragen vor dem Start:

  1. Zeigt euer Kind traumatypische Beschwerden, etwa Wiedererleben, Vermeidung, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit oder Schlafprobleme?
  2. Gibt es eine stabile Bezugsperson, die regelmäßig mitarbeiten kann und will?
  3. Ist euer Kind gerade stabil genug, um über das Erlebte zu sprechen?

Eine erste Einschätzung bekommt ihr in einer kinder- und jugendpsychiatrischen oder psychotherapeutischen Sprechstunde.

Quellen

Die Evidenzstufen A bis D sind auf der Redaktionsseite erklärt.

  • Thielemann J.F.B. et al. (2022). A systematic review and meta-analysis of trauma-focused cognitive behavioral therapy for children and adolescents. Child Abuse & Neglect. DOI: 10.1016/j.chiabu.2022.105899. Systematischer Review mit Meta-Analyse, Evidenzstufe A.
  • Mavranezouli I. et al. (2019). Research Review: Psychological and psychosocial treatments for children and young people with post-traumatic stress disorder: a network meta-analysis. Journal of Child Psychology and Psychiatry. DOI: 10.1111/jcpp.13094. Netzwerk-Meta-Analyse, Evidenzstufe A.
  • AWMF (2020). S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (Register-Nr. 155-001). register.awmf.org/de/leitlinien/detail/155-001. Leitlinie, AWMF-Klasse S3.

Quellen recherchiert im Mai 2026 und mit den Originalpublikationen abgeglichen. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose oder Behandlung. Ob ein Verfahren zu eurem Kind passt, klärt eine Sprechstunde. Angaben zur Wirksamkeit beziehen sich auf die hier genannten Quellen. Sie sind kein Erfolgsversprechen für den Einzelfall.

Nike fragen