Anlaufstelle verstehen

Erziehungsberatung: Die kostenlose Hilfe, die kaum jemand auf dem Zettel hat

Während alle über Therapieplätze und Wartezeiten sprechen, sitzt in fast jeder Stadt ein Team, das Familien kostenlos, vertraulich und meist innerhalb weniger Wochen hilft. So nutzt ihr es.

Was eine Erziehungsberatungsstelle ist

Erziehungsberatungsstellen, je nach Träger auch „Erziehungs- und Familienberatungsstelle" oder „Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche" genannt, sind ein gesetzlicher Anspruch: Jede Familie hat nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) ein Recht auf diese Beratung. Getragen werden die Stellen von Kommunen, Caritas, Diakonie, AWO und anderen freien Trägern. Dort arbeiten Psychologinnen, Sozialpädagogen und Therapeuten im Team.

Das Entscheidende: kostenlos, ohne Überweisung, ohne Krankenkasse, ohne Diagnose. Ihr ruft an oder geht hin, mehr braucht es nicht. Auf Wunsch zunächst auch anonym.

Wofür sie da ist

Für fast alles, was Familien beschäftigt, bevor (oder ohne dass) es eine Diagnose gibt: Erziehungsfragen und Dauerkonflikte, Wutanfälle und Grenzen, Trennung und Scheidung, Schulprobleme und Medienstreit, Pubertätskrisen, Überforderung der Eltern. Und sie ist die beste Brücke, wenn ihr auf einen Therapieplatz wartet: Die Beratung überbrückt die Wartezeit und hilft einzuschätzen, was euer Kind wirklich braucht.

Was sie nicht ist: eine Psychotherapie. Bei einer psychischen Erkrankung eures Kindes gehört die Behandlung in eine therapeutische oder psychiatrische Praxis, bei komplexen Entwicklungsfragen ins SPZ. Die Beratungsstelle hilft aber auch dann, nämlich beim Weg dorthin.

So kommt ihr an einen Termin

Anrufen oder online anmelden, fertig. Viele Stellen haben offene Sprechstunden ohne Termin. Die Wartezeiten liegen je nach Region bei Tagen bis wenigen Wochen, in akuten Lagen oft schneller. Die Beratung kann ein einzelnes Gespräch sein oder eine längere Begleitung, das entscheidet ihr gemeinsam mit der Stelle.

Bundesweit suchen könnt ihr über die offiziellen Verzeichnisse: die bke (Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, mit kostenloser Onlineberatung für Eltern und Jugendliche), den DAJEB-Beratungsführer sowie die Suchen von Caritas und Diakonie. Eine Auswahl für große Städte haben wir hier nachrecherchiert.

Verzeichnis

Beratungsstellen nach Stadt

89 nachrecherchierte Stellen in 44 Städten. Auswahl, keine Vollständigkeit.

Aachen

Chemnitz

Heidelberg

Jena

Kassel

Saarbrücken

Würzburg

Quelle: Eigene Recherche (Juni 2026) über Träger-Websites (Caritas, Diakonie, AWO, Kinderschutzbund, SkF, pro familia), Stadt- und Jugendamtsseiten sowie die Beratungsführer von bke und DAJEB. In fast jedem Landkreis gibt es weitere Stellen, bundesweite Suche über bke und DAJEB (oben verlinkt). Fehlt eine Stelle oder stimmt eine Angabe nicht? Schreibt der Redaktion.

Häufige Fragen

Was kostet eine Erziehungsberatungsstelle?

Nichts. Erziehungsberatung ist eine Leistung der Jugendhilfe nach dem SGB VIII und für Familien kostenlos, unabhängig vom Einkommen. Es braucht weder Überweisung noch Krankenkasse noch Antrag.

Meldet die Beratungsstelle etwas ans Jugendamt?

Nein. Die Beratung ist vertraulich, die Fachkräfte unterliegen der Schweigepflicht, und auf Wunsch könnt ihr euch zunächst sogar anonym beraten lassen. Eine Ausnahme gilt wie überall nur bei akuter Kindeswohlgefährdung.

Ist Erziehungsberatung dasselbe wie Psychotherapie?

Nein. Beratung hilft beim Sortieren, bei Erziehungs- und Familienkonflikten und bei der Frage, welche Hilfe passt. Sie stellt keine Diagnosen und behandelt keine psychischen Erkrankungen. Dafür ist sie sofort zugänglich und oft die beste erste Anlaufstelle, auch zur Überbrückung von Therapie-Wartezeiten.

Wie lange wartet man auf einen Termin?

Deutlich kürzer als auf einen Therapieplatz: je nach Region Tage bis wenige Wochen. Viele Stellen bieten offene Sprechstunden, in akuten Lagen geht es oft schneller.

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