Verfahren

Analytische Psychotherapie

Psychoanalytisch begründetes Richtlinienverfahren, länger und mit mehr Sitzungen pro Woche als die tiefenpsychologische Therapie. Zur Langzeitform bei Kindern und Jugendlichen gibt es kaum kontrollierte Studien.

Studienlage: kaum kontrollierte Studien · stärkste Quelle Evidenzstufe C

Für die Langzeitform nur Studien aus dem Praxisalltag ohne randomisierte Kontrollgruppe. Die Daten aus Kurzzeitstudien lassen sich nicht einfach übertragen.

Was die Evidenzstufen A bis D bedeuten

Evidenzlage dünn

Zu diesem Verfahren gibt es wenige hochwertige Studien bei Kindern und Jugendlichen. Deshalb sind die Aussagen zur Wirksamkeit auf dieser Seite vorsichtig formuliert.

Was ist analytische Psychotherapie?

Die analytische Psychotherapie, kurz AP, ist eines der vier Richtlinienverfahren, die die gesetzliche Krankenkasse zahlt. Die anderen drei sind Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Systemische Therapie. AP kommt aus der Psychoanalyse. Sie geht davon aus, dass heutige Beschwerden oft mit unbewussten Konflikten und frühen Beziehungserfahrungen zusammenhängen, die tief im Inneren weiterwirken.

Von der tiefenpsychologisch fundierten Therapie unterscheidet sie sich vor allem im Umfang. AP läuft länger, oft mit mehreren Stunden pro Woche, und legt den Fokus weniger eng auf ein einzelnes Symptom. Mit Kindern wird viel gespielt, gemalt und mit Figuren gearbeitet, dazu kommen regelmäßige Elterngespräche. Mit Jugendlichen steht das Gespräch im Mittelpunkt.

Was sagt die Forschung?

Die besten Belege im psychodynamischen Bereich gibt es für Kurzzeitformen. Eine Meta-Analyse von elf kontrollierten Studien mit zusammen 655 jungen Patientinnen und Patienten fand, dass psychodynamische Kurzzeittherapie ähnlich wirkte wie die meist aktiven Vergleichsbehandlungen, aber nicht besser. Eine Übersichtsarbeit zur gesamten Studienlage kommt zu einem ähnlichen Bild: Die Forschung wächst, bleibt aber begrenzt, und es gibt deutlich mehr Studien zu Kurzzeit- als zu Langzeitformen.

Genau hier liegt das Problem für die AP. Sie ist ein Langzeitverfahren, und zur hochfrequenten Langzeitform gibt es kaum kontrollierte Studien. Eine deutsche Untersuchung im Praxisalltag zu analytischen und tiefenpsychologischen Langzeittherapien bei Jugendlichen fand Verbesserungen im Verlauf der Behandlung. Ohne zufällig zugeteilte Vergleichsgruppe lässt sich aber nicht sicher sagen, dass die Therapie die Ursache war. Aussagen zur Wirksamkeit der AP müssen deshalb zurückhaltend bleiben.

Wann wird AP eingesetzt?

AP kann passen, wenn:

  • sich die Beschwerden kaum eingrenzen lassen und eng mit Selbstwert, Identität und Beziehungsmustern verwoben sind.
  • frühe oder wiederkehrende Belastungen eine deutliche Rolle spielen und ein längerer Verstehensprozess sinnvoll erscheint.
  • kürzere oder symptombezogene Verfahren wenig gebracht haben oder nicht zum Kind passen.
  • Kind oder Jugendliche und Familie Zeit, Stabilität und Bereitschaft für eine lange, intensive Therapie mitbringen.

Wie viele Stunden möglich sind und wie oft pro Woche, regelt die Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Was ist zu beachten?

AP ist ein langsames Verfahren. Bei einer akuten Schulvermeidung oder bei Zwangshandlungen, die den Alltag lahmlegen, kommt man mit symptombezogenen Verfahren wie der Verhaltenstherapie oft schneller voran. Für solche klar umrissenen Probleme sind die Belege dort auch besser.

Bei akuten Krisen wie Suizidalität, einer Essstörung mit körperlicher Gefährdung oder einer Psychose reicht AP allein nicht aus. Dann braucht es zusätzlich ärztlich-psychiatrische und unter Umständen stationäre Behandlung. Bei akuter Gefahr gilt zuerst der Notruf 112.

Was bedeutet das konkret für euer Kind?

Fragen vor dem Start:

  1. Sind die Beschwerden eher diffus und ziehen sich durch den ganzen Alltag, oder lassen sie sich klar abgrenzen?
  2. Kann sich euer Kind, seinem Alter entsprechend, auf eine lange Beziehung zu einer Therapeut:in einlassen?
  3. Könnt ihr eine Therapie über Monate bis Jahre realistisch mittragen, auch mit mehreren Terminen pro Woche?

Eine erste Einschätzung bekommt ihr in einer kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischen Sprechstunde. Dort lässt sich auch klären, ob ein kürzeres, symptombezogenes Verfahren der bessere Anfang wäre.

Quellen

Die Evidenzstufen A bis D sind auf der Redaktionsseite erklärt.

  • Abbass A.A. et al. (2013). Psychodynamic Psychotherapy for Children and Adolescents: A Meta-Analysis of Short-Term Psychodynamic Models. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry. DOI: 10.1016/j.jaac.2013.05.014. Meta-Analyse zu Kurzzeitformen, Evidenzstufe A.
  • Midgley N. et al. (2021). The Evidence-Base for Psychodynamic Psychotherapy With Children and Adolescents: A Narrative Synthesis. Frontiers in Psychology. DOI: 10.3389/fpsyg.2021.662671. Übersichtsarbeit mit systematischer Suche und erzählender Auswertung, Evidenzstufe A.
  • Seiffge-Krenke I., Nitzko S. (2011). Wie wirksam sind analytische und tiefenpsychologisch fundierte Langzeitpsychotherapien bei Jugendlichen? Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. DOI: 10.1024/1422-4917/a000117. Naturalistische Studie ohne randomisierte Kontrollgruppe, Evidenzstufe C.

Quellen recherchiert im Mai 2026 und mit den Originalpublikationen abgeglichen. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose oder Behandlung. Ob ein Verfahren zu eurem Kind passt, klärt eine Sprechstunde. Angaben zur Wirksamkeit beziehen sich auf die hier genannten Quellen. Sie sind kein Erfolgsversprechen für den Einzelfall.

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