Verfahren

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

Traumafokussierte Psychotherapie mit bilateraler Stimulation. Eingesetzt bei posttraumatischer Belastungsstörung und Belastungsreaktionen, ab dem Schulalter mit altersangepassten Anpassungen.

Was ist EMDR?

EMDR ist eine traumafokussierte Psychotherapie. Während die Patient:in an die belastende Erinnerung denkt, lenkt die Therapeut:in die Aufmerksamkeit zusätzlich auf eine zweite Reizebene — meist Augenbewegungen, manchmal abwechselnde Töne oder Klopfreize an den Händen. Diese sogenannte bilaterale Stimulation soll das Verarbeiten der Erinnerung erleichtern. EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, im Deutschen “Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen”.

EMDR wurde Ende der 1980er Jahre für Erwachsene entwickelt und in den letzten zwei Jahrzehnten für Kinder und Jugendliche angepasst.

Was sagt die Forschung?

Eine Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien zeigt, dass EMDR bei Kindern und Jugendlichen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) Symptome reduzieren kann [S1·frontiers-2017-emdr-meta]. Ein systematischer Review verschiedener psychotherapeutischer Verfahren in dieser Altersgruppe ordnet EMDR als wirksame Option neben der Trauma-fokussierten kognitiven Verhaltenstherapie ein [S1·psychmed-2020-psych-interventions].

Die deutsche S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung führt EMDR als Behandlungsoption auf [S3·awmf-155-001-2020]. Der konkrete Empfehlungsgrad ist in der Langfassung der Leitlinie nachzulesen.

Wann wird EMDR eingesetzt?

EMDR wird eingesetzt, wenn eine PTBS oder eine vergleichbare Belastungsreaktion nach einem Einzeltrauma oder mehreren belastenden Ereignissen vorliegt [S3·awmf-155-001-2020]. Voraussetzung ist eine sorgfältige Diagnostik und eine Stabilisierungsphase, bevor mit der Traumakonfrontation begonnen wird.

Für sehr junge Kinder (unter etwa 6 Jahren) liegen weniger spezifische Studiendaten vor. Hier wird die Methode an Entwicklungsstand und Sprachfähigkeit angepasst.

Was ist zu beachten?

EMDR ist eine kraftvolle Methode — das heißt auch: sie kann während und nach der Sitzung kurzzeitig zu erhöhter emotionaler Belastung führen [S3·awmf-155-001-2020]. Sie gehört in die Hand erfahrener, EMDR-zertifizierter Therapeut:innen, die mit Kindern und Jugendlichen vertraut sind.

EMDR ersetzt nicht die ärztliche oder psychiatrische Abklärung. Wenn das Kind sich selbst gefährdet oder eine akute Krise besteht, ist zunächst die Krisenhilfe oder eine Klinik der richtige Weg.

Was bedeutet das für unsere Familie?

Wenn Sie überlegen, ob EMDR für Ihr Kind passt, sind drei Fragen hilfreich:

  1. Liegt eine traumatypische Symptomatik vor (Wiedererleben, Vermeidung, Übererregung, negative Gefühlszustände)?
  2. Ist Ihr Kind ausreichend stabil — emotional und im Alltag —, um Traumakonfrontation zu beginnen?
  3. Gibt es eine EMDR-erfahrene Therapeut:in für Kinder/Jugendliche in erreichbarer Nähe?

Eine erste Einschätzung kann eine kinder- und jugendpsychiatrische oder psychotherapeutische Sprechstunde liefern.

Quellen

  • [S1·frontiers-2017-emdr-meta] Moreno-Alcázar A. et al. (2017). Efficacy of Eye Movement Desensitization and Reprocessing in Children and Adolescent with Post-traumatic Stress Disorder: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Frontiers in Psychology. DOI: 10.3389/fpsyg.2017.01750
  • [S1·psychmed-2020-psych-interventions] Bastien R.J.-B. et al. (2020). The effectiveness of psychological interventions for post-traumatic stress disorder in children, adolescents and young adults: a systematic review and meta-analysis. Psychological Medicine. DOI: 10.1017/S0033291720002007
  • [S3·awmf-155-001-2020] AWMF (2020). S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (Register-Nr. 155-001). register.awmf.org/de/leitlinien/detail/155-001

Stand der Recherche: 2026-05-23. Quellenverifikation: Crossref-API. Verfahren nach Skill evidence-research + source-verifier. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

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