Verfahren

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

Traumafokussierte Psychotherapie. Während das Kind an die belastende Erinnerung denkt, folgt es zum Beispiel mit den Augen der Hand der Therapeutin. Eingesetzt bei posttraumatischer Belastungsstörung, für Kinder ab dem Schulalter angepasst.

Studienlage: belegt bei PTBS · stärkste Quelle Evidenzstufe A · S3-Leitlinie PTBS (AWMF 155-001)

Meta-Analyse randomisierter Studien bei Kindern und Jugendlichen mit PTBS. Weniger Studien als zur TF-KVT.

Was die Evidenzstufen A bis D bedeuten

Was ist EMDR?

EMDR ist eine traumafokussierte Psychotherapie. Das Kind denkt an die belastende Erinnerung und folgt dabei mit den Augen der Hand der Therapeut:in, die sich hin und her bewegt. Statt Augenbewegungen gehen auch abwechselnde Töne oder leichtes Tippen auf die Handrücken. Diese bilaterale Stimulation soll helfen, die Erinnerung zu verarbeiten. Der Name steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, auf Deutsch etwa „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen“.

Entwickelt wurde EMDR Ende der 1980er Jahre für Erwachsene. In den letzten zwanzig Jahren wurde es für Kinder und Jugendliche angepasst.

Was sagt die Forschung?

Eine Meta-Analyse randomisierter kontrollierter Studien zeigt, dass EMDR bei Kindern und Jugendlichen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) die Symptome verringern kann. Ein systematischer Review, der mehrere Verfahren in dieser Altersgruppe vergleicht, zählt EMDR zu den wirksamen Optionen, neben der trauma-fokussierten kognitiven Verhaltenstherapie. Insgesamt gibt es zu EMDR bei Kindern weniger Studien als zur TF-KVT.

Die deutsche S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung führt EMDR als Behandlungsoption auf. Den genauen Empfehlungsgrad nennt die Langfassung der Leitlinie.

Wann wird EMDR eingesetzt?

Bei einer PTBS oder einer ähnlichen Belastungsreaktion, nach einem einzelnen Ereignis oder nach mehreren. Vorher braucht es eine sorgfältige Diagnostik. Ob zusätzlich stabilisierende Schritte nötig sind, hängt von Alter, Belastung und der aktuellen Sicherheit des Kindes ab. Eine starre Voraussetzung sind sie nicht.

Für Kinder unter etwa sechs Jahren gibt es wenig eigene Studiendaten. Dort wird die Methode an Entwicklungsstand und Sprache angepasst, und die Therapeut:in sollte genau erklären, wie sie vorgeht.

Was ist zu beachten?

Während und nach einer Sitzung kann die Belastung kurzzeitig steigen. Manche Kinder schlafen in den Tagen danach schlechter oder sind gereizter. Das gehört in die Hand von Therapeut:innen mit EMDR-Ausbildung und Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen.

EMDR ersetzt keine ärztliche oder kinder- und jugendpsychiatrische Abklärung. Verletzt sich das Kind selbst oder steckt es in einer akuten Krise, kommt zuerst die Krisenhilfe oder eine Klinik.

Was bedeutet das konkret für euer Kind?

Drei Fragen, die ihr vor der Entscheidung klären könnt:

  1. Zeigt euer Kind traumatypische Beschwerden, also Wiedererleben, Vermeidung, ständige Anspannung oder anhaltend gedrückte Stimmung?
  2. Ist es im Alltag gerade stabil genug, um sich mit der Erinnerung zu befassen?
  3. Gibt es in erreichbarer Nähe eine Therapeut:in mit EMDR-Erfahrung bei Kindern oder Jugendlichen?

Eine erste Einschätzung bekommt ihr in einer kinder- und jugendpsychiatrischen oder psychotherapeutischen Sprechstunde.

Quellen

Die Evidenzstufen A bis D sind auf der Redaktionsseite erklärt.

  • Moreno-Alcázar A. et al. (2017). Efficacy of Eye Movement Desensitization and Reprocessing in Children and Adolescent with Post-traumatic Stress Disorder: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Frontiers in Psychology. DOI: 10.3389/fpsyg.2017.01750. Meta-Analyse, Evidenzstufe A.
  • Bastien R.J.-B. et al. (2020). The effectiveness of psychological interventions for post-traumatic stress disorder in children, adolescents and young adults: a systematic review and meta-analysis. Psychological Medicine. DOI: 10.1017/S0033291720002007. Systematischer Review mit Meta-Analyse, Evidenzstufe A.
  • AWMF (2020). S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (Register-Nr. 155-001). register.awmf.org/de/leitlinien/detail/155-001. Leitlinie, AWMF-Klasse S3.

Quellen recherchiert im Mai 2026 und mit den Originalpublikationen abgeglichen. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose oder Behandlung. Ob ein Verfahren zu eurem Kind passt, klärt eine Sprechstunde. Angaben zur Wirksamkeit beziehen sich auf die hier genannten Quellen. Sie sind kein Erfolgsversprechen für den Einzelfall.

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