Verfahren

Systemische Therapie

Familienorientiertes Verfahren. Eltern und oft auch Geschwister kommen mit in die Sitzungen, gearbeitet wird an den Mustern zwischen ihnen. Seit Januar 2024 auch für Kinder und Jugendliche in der Psychotherapie-Richtlinie.

Studienlage: belegt, kleinere Studienbasis · stärkste Quelle Evidenzstufe A

Systematische Reviews zeigen Wirkung bei Störungen des Sozialverhaltens sowie bei Angst und Depression. Es gibt weniger Studien als zur Verhaltenstherapie.

Was die Evidenzstufen A bis D bedeuten

Was ist Systemische Therapie?

Systemische Therapie schaut auf das Kind und auf die Menschen um es herum. Beschwerden werden als Teil von Beziehungsmustern verstanden. Ein Beispiel: Ein Kind bekommt jeden Morgen vor der Schule Bauchweh, die Mutter bleibt dann zu Hause, der Vater ist genervt, und der Streit darüber hält das Muster am Laufen.

In der Praxis heißt das: Eltern, Geschwister, manchmal auch Großeltern oder Lehrkräfte kommen mit in die Sitzungen. Die Therapeut:in zeichnet zum Beispiel mit der Familie einen Stammbaum (Genogramm), stellt zirkuläre Fragen („Was denkt dein Bruder, wenn Mama und du streitet?“) oder lässt die Familie ihre Beziehungen im Raum aufstellen. So werden Muster sichtbar, und es entstehen neue Möglichkeiten, anders zu reagieren.

Seit Januar 2024 ist die Systemische Therapie auch für Kinder und Jugendliche in die Psychotherapie-Richtlinie des G-BA aufgenommen. Für gesetzlich Versicherte ist sie damit eine Kassenleistung.

Was sagt die Forschung?

Ein aktueller systematischer Review mit Meta-Analyse zur Systemischen Therapie bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen findet insgesamt positive Effekte in mehreren Symptombereichen.

Eine ältere, häufig zitierte Meta-Analyse kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Zwei systematische Reviews haben die beiden großen Störungsgruppen getrennt untersucht und finden Wirkung in beiden: bei nach außen gerichteten Störungen wie Störungen des Sozialverhaltens und bei nach innen gerichteten wie Angst und Depression. Insgesamt gibt es weniger Studien als zur KVT. Die vorhandenen zeigen über die Störungsbilder hinweg in dieselbe Richtung.

Wann wird Systemische Therapie eingesetzt?

Typische Anlässe:

  • Konflikte in der Familie tragen einen großen Teil dazu bei, dass es dem Kind schlecht geht.
  • Die Eltern sind selbst stark belastet oder sich in der Erziehung uneinig.
  • Geschwister, eine Patchwork-Situation oder Loyalitätskonflikte nach einer Trennung spielen mit hinein.
  • Schulvermeidung, Wutausbrüche oder Rückzug hängen erkennbar mit dem zusammen, was zu Hause los ist.

Das Verfahren passt oft auch dann, wenn ein rein symptombezogener Ansatz das Kind allein in den Mittelpunkt stellen würde, obwohl das Umfeld viel ausmacht.

Was ist zu beachten?

Systemische Therapie braucht Erwachsene, die mitarbeiten, auch an sich selbst. Wer erwartet, dass das Kind „repariert“ zurückkommt, wird sich mit diesem Ansatz schwertun.

Bei akuten psychiatrischen Krisen wie Suizidalität, einer Psychose oder einer lebensbedrohlichen Magersucht reicht Systemische Therapie allein nicht aus. Dann braucht es zusätzlich ärztliche oder klinische Behandlung.

Was bedeutet das konkret für euer Kind?

Fragen vor dem Start:

  1. Seid ihr als Eltern bereit, selbst in die Sitzungen zu kommen, auch wenn es dann um euch geht?
  2. Gibt es ein Muster, das alle in der Familie spüren, nicht nur das Kind?
  3. Ist zu Hause genug Ruhe, damit das Besprochene zwischen den Terminen weiterwirken kann?

Eine erste Einschätzung bekommt ihr in einer kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischen Sprechstunde.

Quellen

Die Evidenzstufen A bis D sind auf der Redaktionsseite erklärt.

  • Seidel D.H. et al. (2024). Systemic therapy in children and adolescents with mental disorders: a systematic review and meta-analysis. BMC Psychiatry. DOI: 10.1186/s12888-024-05556-y. Systematischer Review mit Meta-Analyse, Evidenzstufe A.
  • Riedinger V. et al. (2015). Effects of Systemic Therapy on Mental Health of Children and Adolescents: A Meta-Analysis. Journal of Clinical Child & Adolescent Psychology. DOI: 10.1080/15374416.2015.1063427. Meta-Analyse, Evidenzstufe A.
  • von Sydow K. et al. (2013). The Efficacy of Systemic Therapy for Childhood and Adolescent Externalizing Disorders: A Systematic Review. Family Process. DOI: 10.1111/famp.12047. Systematischer Review, Evidenzstufe A.
  • Retzlaff R. et al. (2013). The Efficacy of Systemic Therapy for Internalizing and Other Disorders of Childhood and Adolescence: A Systematic Review. Family Process. DOI: 10.1111/famp.12041. Systematischer Review, Evidenzstufe A.
  • G-BA (2024). Beschluss über eine Änderung der Psychotherapie-Richtlinie: Systemische Therapie bei Kindern und Jugendlichen vom 18. Januar 2024. g-ba.de/bewertungsverfahren/methodenbewertung/251

Quellen recherchiert im Mai 2026 und mit den Originalpublikationen abgeglichen. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.

Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose oder Behandlung. Ob ein Verfahren zu eurem Kind passt, klärt eine Sprechstunde. Angaben zur Wirksamkeit beziehen sich auf die hier genannten Quellen. Sie sind kein Erfolgsversprechen für den Einzelfall.

Nike fragen