Eine Selbsthilfegruppe für Eltern finden: wie und wo
Wie Eltern eine passende Selbsthilfegruppe finden, wenn das Kind seelisch belastet ist: über die NAKOS-Datenbanken, die örtliche Kontaktstelle und ein paar praktische Hinweise für den ersten Kontakt.
Wenn das eigene Kind nicht zur Ruhe kommt, kann das einsam machen. Im Freundeskreis erntet man schnell gut gemeinte Ratschläge, die nicht passen. Und im Wartezimmer redet niemand.
Genau da setzt Selbsthilfe an. In einer Gruppe sitzen Eltern, die Ähnliches kennen: die Diagnostik, die Wartelisten, die Blicke auf dem Spielplatz. Man muss weniger erklären und wird trotzdem verstanden.
Eine Gruppe ersetzt keine Therapie und keine Diagnostik. Aber sie trägt durch die Zeit dazwischen, und manchmal ist genau das die Hilfe, die gerade fehlt. Hier steht, wie ihr eine findet.
Der zuverlässigste Weg führt über NAKOS
Einzelne Gruppen wechseln ständig: Treffpunkte ändern sich, Gruppen lösen sich auf, neue entstehen. Eine fertige Liste wäre morgen veraltet. Deshalb lohnt der Weg über die zentralen Datenbanken, die laufend gepflegt werden.
Die erste Adresse ist die Nationale Kontakt- und Informationsstelle, kurz NAKOS. Sie führt eine bundesweite Übersicht: In den „GRÜNEN ADRESSEN" findet ihr rund 300 überregionale Selbsthilfe-Organisationen nach Thema, in den „ROTEN ADRESSEN" eure nächste örtliche Kontaktstelle.
Eine ausführliche Übersicht der wichtigsten Anlaufstellen haben wir auf der Seite Selbsthilfe und Elterngruppen gesammelt.
Ruft bei der Kontaktstelle vor Ort an
In fast jeder größeren Stadt gibt es eine Selbsthilfekontaktstelle, oft KISS genannt. Sie kennt die Gruppen in der Region, auch solche, die nirgends im Netz auftauchen, und vermittelt euch weiter.
Der Anruf lohnt sich besonders, wenn ihr online nichts Passendes findet. Die Kontaktstelle hilft auch beim Gründen einer neuen Gruppe, wenn es zu eurem Thema noch keine gibt. Das klingt nach viel, ist aber oft nur ein erster Aushang und ein Raum.
So macht ihr die Suche konkret
Sucht in den Datenbanken nach eurem Thema und eurer Region. Je genauer der Suchbegriff, desto besser passt das Ergebnis.
- Thema benennen: ADHS, Autismus, Angst, Essstörung, Trauer, Schulvermeidung.
- Region eingrenzen: Stadt oder Landkreis.
- Format prüfen: manche Gruppen treffen sich vor Ort, andere online. Online-Gruppen sind oft ein guter Einstieg, wenn der Alltag eng ist.
- Nichts gefunden? Bei der örtlichen Kontaktstelle anrufen.
Falls ihr lieber erst einmal anonym sprechen möchtet: Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer berät kostenlos unter 0800 111 0 550, auch zu der Frage, welche Unterstützung zu eurer Lage passt.
Was beim ersten Treffen hilft
Ihr müsst nichts vorbereiten und nichts erzählen, was ihr nicht erzählen wollt. In den meisten Gruppen darf man erst einmal nur zuhören.
Wenn sich eine Gruppe nach dem ersten Mal nicht stimmig anfühlt, ist das kein Scheitern. Gruppen sind verschieden, und es darf ruhig eine Weile dauern, bis eine passt. Wichtiger als die perfekte Gruppe ist, dass ihr euch dort nicht noch zusätzlich anstrengen müsst.
Häufige Fragen
Kostet eine Selbsthilfegruppe etwas?
In der Regel nicht. Selbsthilfegruppen sind ehrenamtlich organisiert und kostenlos. Manchmal gibt es einen kleinen Beitrag für Raum oder Material. Die Vermittlung über NAKOS und die örtlichen Kontaktstellen ist immer kostenlos.
Ersetzt eine Gruppe die Therapie für mein Kind?
Nein. Eine Selbsthilfegruppe ist Austausch unter Eltern, keine Behandlung. Sie entlastet und gibt Orientierung, aber Diagnostik und Psychotherapie gehören in fachliche Hände. Beides lässt sich gut verbinden.
Es gibt keine Gruppe zu unserem Thema. Was nun?
Ruft bei der örtlichen Kontaktstelle an. Sie kennt oft Gruppen, die nicht im Netz stehen, und unterstützt euch dabei, selbst eine zu gründen, wenn zu eurem Anliegen noch nichts existiert.
Wir stecken gerade in einer akuten Krise. Ist die Gruppe der richtige Ort?
In einer akuten Krise zählt zuerst schnelle Hilfe, nicht der Austausch. Wendet euch dann an den ärztlichen Notdienst, eine Klinikambulanz oder den Notruf 112. Selbsthilfe ist für die Zeit danach und daneben gedacht.
Diese Information dient der Orientierung. Sie ersetzt keine individuelle fachliche Einschätzung.