Anlaufstelle verstehen

Erziehungsberatung: Die kostenlose Hilfe, die kaum jemand auf dem Zettel hat

Eine Erziehungsberatungsstelle kostet nichts und braucht keine Überweisung. Termine gibt es oft innerhalb weniger Wochen. Ihr könnt dort anrufen, bevor ihr überhaupt wisst, ob euer Kind eine Therapie braucht.

Auf einen Blick

Kosten
Kostenlos, unabhängig vom Einkommen. Leistung der Jugendhilfe nach § 28 SGB VIII.
Überweisung nötig?
Nein. Kein Antrag und keine Krankenkasse nötig, auf Wunsch anonym.
Typische Wartezeit
Oft Tage bis wenige Wochen. Viele Stellen haben offene Sprechstunden.
Wann eine andere Stelle besser passt
Braucht euer Kind eine Diagnose oder die Behandlung einer psychischen Erkrankung, führt der Weg in Diagnostik oder Psychotherapie.

Was eine Erziehungsberatungsstelle ist

Der Name wechselt je nach Träger. Mal heißt es „Erziehungs- und Familienberatungsstelle“, mal „Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche“. Rechtlich ist es dieselbe Leistung, Erziehungsberatung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (§ 28 SGB VIII). Eltern haben einen Anspruch darauf. Getragen werden die Stellen von Kommunen, Caritas, Diakonie, AWO und anderen freien Trägern. Im Team sitzen Psychologinnen und Sozialpädagogen, dazu Fachkräfte mit therapeutischer Ausbildung.

Ihr ruft an oder geht in die offene Sprechstunde, ganz ohne Überweisung oder Diagnose. Wer möchte, bleibt zunächst anonym. Auch Jugendliche können sich allein beraten lassen. Die Eltern erfahren davon nichts, solange das den Zweck der Beratung gefährden würde (§ 8 Abs. 3 SGB VIII).

Wofür sie da ist

Für das meiste, was Familien im Alltag umtreibt, oft lange bevor es um eine Diagnose geht. Der tägliche Kampf ums Handy oder ums Zähneputzen. Wutanfälle, bei denen ihr nicht mehr wisst, wie ihr reagieren sollt. Eine Trennung, die alle mitnimmt, oder Ärger in der Schule. Ein Kind in der Pubertät, das kaum noch redet. Und Eltern, die selbst am Ende ihrer Kraft sind.

Wartet ihr auf einen Therapieplatz, lohnt sich die Beratungsstelle besonders. Dort nutzt ihr die Wartezeit und bekommt Hilfe bei der Frage, was euer Kind gerade braucht.

Eine Psychotherapie ersetzt sie nicht. Bei einer psychischen Erkrankung eures Kindes gehört die Behandlung in eine therapeutische oder psychiatrische Praxis, bei komplexen Entwicklungsfragen ins SPZ. Auf dem Weg dorthin hilft die Beratungsstelle trotzdem.

So kommt ihr an einen Termin

Anrufen, eine Mail schreiben oder online anmelden. Viele Stellen haben offene Sprechstunden ohne Termin. Je nach Region wartet ihr Tage bis wenige Wochen, in akuten Lagen geht es oft schneller. Ob es bei einem Gespräch bleibt oder eine Begleitung über Monate daraus wird, entscheidet ihr gemeinsam mit der Stelle.

Bundesweit sucht ihr über die offiziellen Verzeichnisse. Die bke (Bundeskonferenz für Erziehungsberatung) bietet zusätzlich kostenlose Onlineberatung für Eltern und Jugendliche. Weitere Suchen gibt es beim DAJEB-Beratungsführer sowie bei Caritas und Diakonie. Unten steht eine nachrecherchierte Auswahl für große Städte.

Verzeichnis

Beratungsstellen nach Stadt

89 nachrecherchierte Stellen in 44 Städten. Eine Auswahl, nicht vollständig.

Aachen

Chemnitz

Heidelberg

Jena

Kassel

Saarbrücken

Würzburg

Quelle: Eigene Recherche (Juni 2026) über Träger-Websites (Caritas, Diakonie, AWO, Kinderschutzbund, SkF, pro familia), Stadt- und Jugendamtsseiten sowie die Beratungsführer von bke und DAJEB. In fast jedem Landkreis gibt es weitere Stellen, bundesweit findet ihr sie über bke und DAJEB (oben verlinkt). Fehlt eine Stelle oder stimmt eine Angabe nicht? Schreibt der Redaktion.

Häufige Fragen

Was kostet eine Erziehungsberatungsstelle?

Nichts, egal wie viel ihr verdient. Erziehungsberatung ist eine Leistung der Jugendhilfe nach § 28 SGB VIII. Ihr braucht weder Überweisung noch Krankenkassenkarte noch einen Antrag.

Meldet die Beratungsstelle etwas ans Jugendamt?

In aller Regel nicht. Die Fachkräfte unterliegen der Schweigepflicht, und am Anfang könnt ihr auch anonym bleiben. Eine Ausnahme gibt es, wenn gewichtige Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass euer Kind gefährdet ist (Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII). Auch dann sprechen die Fachkräfte normalerweise zuerst mit euch, solange das euer Kind nicht zusätzlich gefährdet.

Ist Erziehungsberatung dasselbe wie Psychotherapie?

Nein. Beratung hilft beim Sortieren, bei Streit in der Familie und bei der Frage, welche Hilfe passt. Diagnosen stellt sie nicht, psychische Erkrankungen behandelt sie nicht. Dafür bekommt ihr dort schnell einen Termin, auch während ihr auf einen Therapieplatz wartet.

Wie lange wartet man auf einen Termin?

Deutlich kürzer als auf einen Therapieplatz, je nach Region Tage bis wenige Wochen. Viele Stellen haben offene Sprechstunden. In akuten Lagen geht es oft schneller.

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