Was eine Erziehungsberatungsstelle ist
Der Name wechselt je nach Träger. Mal heißt es „Erziehungs- und Familienberatungsstelle“, mal „Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche“. Rechtlich ist es dieselbe Leistung, Erziehungsberatung nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (§ 28 SGB VIII). Eltern haben einen Anspruch darauf. Getragen werden die Stellen von Kommunen, Caritas, Diakonie, AWO und anderen freien Trägern. Im Team sitzen Psychologinnen und Sozialpädagogen, dazu Fachkräfte mit therapeutischer Ausbildung.
Ihr ruft an oder geht in die offene Sprechstunde, ganz ohne Überweisung oder Diagnose. Wer möchte, bleibt zunächst anonym. Auch Jugendliche können sich allein beraten lassen. Die Eltern erfahren davon nichts, solange das den Zweck der Beratung gefährden würde (§ 8 Abs. 3 SGB VIII).
Wofür sie da ist
Für das meiste, was Familien im Alltag umtreibt, oft lange bevor es um eine Diagnose geht. Der tägliche Kampf ums Handy oder ums Zähneputzen. Wutanfälle, bei denen ihr nicht mehr wisst, wie ihr reagieren sollt. Eine Trennung, die alle mitnimmt, oder Ärger in der Schule. Ein Kind in der Pubertät, das kaum noch redet. Und Eltern, die selbst am Ende ihrer Kraft sind.
Wartet ihr auf einen Therapieplatz, lohnt sich die Beratungsstelle besonders. Dort nutzt ihr die Wartezeit und bekommt Hilfe bei der Frage, was euer Kind gerade braucht.
Eine Psychotherapie ersetzt sie nicht. Bei einer psychischen Erkrankung eures Kindes gehört die Behandlung in eine therapeutische oder psychiatrische Praxis, bei komplexen Entwicklungsfragen ins SPZ. Auf dem Weg dorthin hilft die Beratungsstelle trotzdem.
So kommt ihr an einen Termin
Anrufen, eine Mail schreiben oder online anmelden. Viele Stellen haben offene Sprechstunden ohne Termin. Je nach Region wartet ihr Tage bis wenige Wochen, in akuten Lagen geht es oft schneller. Ob es bei einem Gespräch bleibt oder eine Begleitung über Monate daraus wird, entscheidet ihr gemeinsam mit der Stelle.
Bundesweit sucht ihr über die offiziellen Verzeichnisse. Die bke (Bundeskonferenz für Erziehungsberatung) bietet zusätzlich kostenlose Onlineberatung für Eltern und Jugendliche. Weitere Suchen gibt es beim DAJEB-Beratungsführer sowie bei Caritas und Diakonie. Unten steht eine nachrecherchierte Auswahl für große Städte.