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Mein Kind ist oft aggressiv oder hat heftige Wutausbrüche

Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)

Ein Nein zur zweiten Folge, und die Fernbedienung fliegt. Geschwister bekommen Tritte, Türen knallen, nach dem Ausbruch weint euer Kind selbst. Heftige Wut bringt Familien an den Rand. Sie hat fast immer Gründe, die sich finden lassen.

Was hinter den Wutausbrüchen stecken kann

Kleine Kinder können starke Gefühle noch nicht bremsen. Wut, Hauen und Schreien gehören im Alter von zwei bis vier zur Entwicklung, und viele Ausbrüche entstehen aus Müdigkeit, Hunger oder zu vielen Reizen.

Bei älteren Kindern stecken hinter häufigen Ausbrüchen oft Überforderung, Ängste, eine ADHS, Lernschwierigkeiten oder ein Kind, das sich zurückgesetzt fühlt. Manche Kinder erleben zu Hause Streit oder Gewalt zwischen Erwachsenen und tragen das nach außen. Wenn aggressives, regelverletzendes Verhalten über Monate anhält und in mehreren Bereichen auftritt, sprechen Fachleute von einer Störung des Sozialverhaltens.

Bei sehr plötzlich einsetzender Aggression ohne erkennbaren Grund schaut eine Ärztin auch auf körperliche Ursachen, etwa Schmerzen, Schlafprobleme oder Medikamente.

Auslöser finden, bevor Strafen sich stapeln

Fast jede Familie hat ihre typischen Momente: Hausaufgaben, Medienzeit beenden, Zubettgehen, Geschwisterstreit im Auto. Wer diese Muster kennt, kann sie oft schon vor dem Ausbruch entschärfen.

Hilfreich ist auch der Blick auf euch. Was passiert in euch, wenn euer Kind explodiert? Viele Eltern werden selbst laut und schämen sich danach. Das ist verständlich und gehört trotzdem auf den Tisch, weil der Kreislauf sonst weiterläuft.

Was eure Notizen zu den Ausbrüchen zeigen sollten

Trotz mit drei, Fäuste mit zehn

Im Kleinkindalter gehören Wutanfälle dazu. Auffällig wird es, wenn ein Kind im Vorschulalter fast täglich mehrfach und lange ausrastet, andere ernsthaft verletzt oder sich nicht beruhigen lässt.

Im Schulalter sollten Ausbrüche seltener werden. Bleiben sie häufig oder kommen Lügen, Stehlen, Schwänzen oder Gewalt gegenüber anderen dazu, braucht es fachliche Unterstützung. Bei Jugendlichen kommen Alkohol und Drogen als Verstärker in Frage.

Wenn jemand in der Familie nicht mehr sicher ist

Dringlich, wenn euer Kind sich oder andere ernsthaft verletzt oder die Familie regelmäßig eskaliert.

Bei akuter Gewalt, die ihr nicht stoppen könnt, oder wenn euer Kind mit einer Waffe droht, ruft die 112 oder die Polizei. Ihr schützt damit alle Beteiligten, auch euer Kind.

Wenn ihr merkt, dass ihr selbst kurz davor seid zuzuschlagen, verlasst den Raum, ruft jemanden an oder meldet euch beim Elterntelefon unter 0800 111 0 550. Eltern, die sich so Hilfe holen, schützen ihr Kind.

Sofort 112 oder die nächste Kinderklinik, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Mein Kind spricht davon, nicht mehr leben zu wollen, oder hat sich schwer verletzt.
  • Es besteht akute körperliche Gefahr (Kreislauf, schwere Verletzung, keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr).
  • Es droht gerade jetzt Gewalt oder die Gefahr dauert an.

Dringend, aber nicht lebensbedrohlich: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Mehr auf der Notfallseite.

Erziehungsberatung und Elterntraining als erste Hilfe

Erziehungsberatung; bei anhaltender Belastung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Erziehungsberatungsstellen nach § 28 SGB VIII sind kostenfrei, brauchen keinen Antrag und haben oft kürzere Wartezeiten als Praxen. Online geht es anonym über die bke-Elternberatung per Chat oder Mail.

Die S3-Leitlinie zu Störungen des Sozialverhaltens empfiehlt bei Kindern vor allem Elterntrainings, bei älteren Kindern und Jugendlichen zusätzlich die Arbeit mit dem Kind selbst. Hält die Belastung an, folgt eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Das Jugendamt kann außerdem Hilfen zur Erziehung wie eine sozialpädagogische Familienhilfe finanzieren.

Den nächsten Ausbruch kleiner halten

  1. Auslöser und Muster der Ausbrüche beobachten und notieren.
  2. Für Eskalationsmomente einen ruhigen, sicheren Ablauf überlegen.
  3. Eine Erziehungsberatungsstelle in eurer Nähe kontaktieren, die meist kostenfrei ist.

Vereinbart als Eltern einen Ablauf für den Moment, in dem es kippt: wenig reden, Abstand schaffen, Geschwister in Sicherheit bringen, gefährliche Dinge wegräumen. Gesprochen wird erst, wenn alle wieder ruhig sind. Und plant täglich zehn Minuten, in denen euer Kind bestimmt, was ihr zusammen macht, ohne Kritik.

Was Aggression bei Kindern oft verschärft

Unsicher, wo ihr anfangen sollt?

Der Wegweiser sortiert in wenigen Schritten, wie dringend es ist und welcher nächste Schritt zu eurer Situation passt.

Bei akuter Gefahr, Suizidgedanken oder schwerer Selbstverletzung sofort die 112 wählen oder die nächste Kinderklinik aufsuchen. Mehr unter Notfall. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Einschätzung.

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