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Mein Kind nässt oder kotet ein, obwohl es dafür eigentlich zu alt ist

Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)

Die Klassenfahrt steht an, und euer Kind ist nachts noch nicht trocken. Oder es kommt nachmittags mit nasser Hose oder Kotspuren in der Unterhose aus der Schule. Einnässen und Einkoten sind häufiger, als die Stille darüber vermuten lässt, und gut behandelbar.

Das Kind macht das nicht mit Absicht. Es merkt den Drang zu spät, schläft zu tief oder hat den Kontakt zu seinem Darm verloren. Strafen verschlimmern genau das.

Warum Kinder nachts einnässen oder tagsüber einkoten

Beim nächtlichen Einnässen ab fünf Jahren spielen meist mehrere Dinge zusammen: Das Kind wacht bei voller Blase nicht auf, produziert nachts noch viel Urin, die Blase fasst wenig. Häufig gab es das in der Familie schon einmal. Viele Kinder werden mit der Zeit von selbst trocken, aber längst nicht alle, und der Leidensdruck wächst mit jedem Jahr.

Einnässen am Tag hat andere Gründe. Manche Kinder schieben den Toilettengang hinaus, bis es nicht mehr geht, andere spüren einen plötzlichen, starken Drang. Sehr oft ist eine Verstopfung mit im Spiel, weil ein voller Enddarm auf die Blase drückt.

Einkoten ab vier Jahren hängt in den meisten Fällen mit einer chronischen Verstopfung zusammen. Harter Stuhl staut sich, und flüssiger Stuhl sickert unbemerkt vorbei. Seelische Belastungen, ein Umzug, ein Geschwisterkind oder Stress in der Schule können beides auslösen oder verstärken. Ein Kind, das schon lange trocken war und plötzlich wieder einnässt, braucht besonders einen genauen Blick.

Urin, Stuhl, Blase: was die Kinderärztin beim Einnässen untersucht

Zuerst körperlich abklären: Einnässen und Einkoten haben oft körperliche Anteile. Eine kinderärztliche Abklärung steht am Anfang.

Die Kinderarztpraxis untersucht den Urin auf Infekt und Zucker, tastet den Bauch ab und fragt genau nach Trink- und Toilettengewohnheiten. Oft gehört ein Ultraschall von Blase und Nieren dazu. Bei Einkoten wird geprüft, ob eine Verstopfung vorliegt, die zuerst behandelt werden muss.

Erst wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen oder behandelt sind, wird das Training geplant. Beim nächtlichen Einnässen ist ein Weckgerät, die Klingelhose oder Klingelmatte, die am besten untersuchte Behandlung. Medikamente sind eine Möglichkeit für bestimmte Situationen, etwa eine Klassenfahrt.

Ein Blasen- und Stuhltagebuch für zwei Tage

Die Kinderarztpraxis gibt euch oft einen Bogen mit. Diese Fragen sind dabei die wichtigsten.

Ab wann Einnässen und Einkoten behandelt werden

Als Störung gilt nächtliches Einnässen ab dem fünften Geburtstag, Einkoten ab dem vierten. Vorher ist Unsauberkeit Teil der normalen Entwicklung. Viele Familien warten trotzdem zu lange. Spätestens wenn Übernachtungen bei Freunden oder Klassenfahrten anstehen und euer Kind darunter leidet, lohnt der Termin.

Bei Jugendlichen ist das Thema so schambesetzt, dass viele es nicht einmal den Eltern erzählen. Ein diskretes Angebot hilft: „Wenn du willst, frage ich die Ärztin, ohne dass du dabei sein musst.“

Bei welchen Begleitzeichen Einnässen schnell abgeklärt werden muss

Kein Notfall. Wichtig ist, frühzeitig abzuklären, statt zu schimpfen oder das Kind zu beschämen.

Am selben oder nächsten Tag in die Praxis gehört euer Kind, wenn es plötzlich wieder einnässt und dazu sehr viel trinkt, ständig zur Toilette muss, müde ist oder abnimmt. Das kann auf einen Diabetes hinweisen. Ebenso bei Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Stuhl und starken Bauchschmerzen.

Sofort 112 oder die nächste Kinderklinik, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Mein Kind spricht davon, nicht mehr leben zu wollen, oder hat sich schwer verletzt.
  • Es besteht akute körperliche Gefahr (Kreislauf, schwere Verletzung, keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr).
  • Es droht gerade jetzt Gewalt oder die Gefahr dauert an.

Dringend, aber nicht lebensbedrohlich: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Mehr auf der Notfallseite.

Kinderarztpraxis, Urotherapie oder Psychotherapie beim Einnässen

Kinderärztin oder Kinderarzt; bei seelischer Belastung zusätzlich Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Die Kinderarztpraxis übernimmt die Abklärung und meist auch die Behandlung. Bei hartnäckigen Fällen, Einnässen am Tag oder Fehlbildungsverdacht überweist sie in die Kinderurologie, Kindernephrologie oder Kindergastroenterologie. Spezialisierte Ambulanzen bieten Urotherapie an, ein strukturiertes Blasentraining für Kinder.

Psychotherapeutische Hilfe kommt dazu, wenn Einnässen oder Einkoten mit Ängsten, Rückzug oder heftigen Konflikten einhergeht oder wenn das Training immer wieder an Kämpfen um die Toilette scheitert.

Den Alltag mit Einnässen entspannter organisieren

  1. Einen kinderärztlichen Termin vereinbaren und das Muster kurz notieren.
  2. Ruhig und ohne Vorwürfe bleiben, das Kind kann meist nichts dafür.
  3. Klären lassen, ob eine körperliche oder eine seelische Ursache im Vordergrund steht.

Bezieht das Bett mit Schutzunterlage doppelt, dann muss nachts niemand das ganze Bett wechseln. Ältere Kinder können nasse Wäsche selbst in den Korb legen, ohne Kommentar, als normale Aufgabe. Verteilt das Trinken auf den Tag und lasst die Toilettengänge nach der Schule fest einplanen. Für Übernachtungen helfen saugfähige Nachtunterhosen, die unter dem Schlafanzug nicht auffallen.

Was beim Einnässen nicht weiterhilft

Unsicher, wo ihr anfangen sollt?

Der Wegweiser sortiert in wenigen Schritten, wie dringend es ist und welcher nächste Schritt zu eurer Situation passt.

Bei akuter Gefahr, Suizidgedanken oder schwerer Selbstverletzung sofort die 112 wählen oder die nächste Kinderklinik aufsuchen. Mehr unter Notfall. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Einschätzung.

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