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Mein Kind schläft schlecht oder hat nachts große Angst

Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)

Euer Kind braucht abends eine Stunde zum Einschlafen, steht dreimal nachts im Flur oder schreit im Schlaf, ohne wach zu werden. Nach einigen Wochen sind alle in der Familie übermüdet. Schlafprobleme gehören zu den häufigsten Sorgen in der Kinderarztpraxis, und die meisten lassen sich gut angehen.

Warum Kinder schlecht ein- oder durchschlafen

Meist liegt es an Gewohnheiten und Abläufen. Ein Kind, das nur mit Mama im Arm einschläft, sucht nachts beim kurzen Aufwachen genau diese Bedingung wieder. Späte Bildschirmzeit, ein unregelmäßiger Rhythmus am Wochenende oder ein Mittagsschlaf, der zu lang geworden ist, verschieben das Einschlafen nach hinten.

Ängste spielen ab dem Kindergartenalter eine große Rolle. Dunkelheit, Monster, später Sorgen um die Schule, Streit der Eltern, eine kranke Oma. Belastende Erlebnisse zeigen sich oft zuerst im Schlaf.

Seltener stecken körperliche Gründe dahinter: Schnarchen mit Atempausen durch vergrößerte Rachenmandeln, juckende Haut bei Neurodermitis, Reflux, Schmerzen, nächtlicher Husten bei Asthma. Auch ADHS und Autismus gehen häufig mit Schlafproblemen einher.

Schnarchen, Atempausen, Juckreiz: was beim Schlaf ärztlich geprüft wird

Zuerst körperlich abklären: Anhaltende Schlafprobleme sollten zuerst kinderärztlich angeschaut werden, um körperliche Ursachen auszuschließen.

Erzählt in der Kinderarztpraxis, ob euer Kind laut schnarcht, mit offenem Mund schläft, Atempausen macht oder morgens wie gerädert ist. Das kann auf eine schlafbezogene Atmungsstörung hinweisen, die in der HNO-Praxis oder im Schlaflabor abgeklärt wird. Auch Juckreiz, Bauchschmerzen und Medikamente, die wach machen, kommen auf den Prüfstand.

Unterscheidet für das Gespräch zwei Dinge. Beim Albtraum wacht euer Kind auf, ist ansprechbar und erinnert sich. Beim Nachtschreck schreit es im ersten Drittel der Nacht mit offenen Augen, ist kaum zu erreichen und weiß morgens nichts mehr. Nachtschreck sieht dramatisch aus und ist meist harmlos.

Ein Schlafprotokoll: was ihr eine Woche lang notiert

Schon sieben Nächte auf einem Blatt zeigen oft ein Muster, das man im Alltag übersieht.

Schlafprobleme vom Kleinkind bis zum Teenager

Kleinkinder brauchen Rituale und eine verlässliche Bezugsperson beim Einschlafen. Nächtliches Aufwachen ist bis ins Kindergartenalter häufig. Nachtschreck und Schlafwandeln treten vor allem im Vorschul- und Grundschulalter auf und verlieren sich meist von allein.

Grundschulkinder schlafen oft wegen Sorgen schlecht, die sie tagsüber nicht ansprechen. In der Pubertät verschiebt sich die innere Uhr nach hinten. Jugendliche werden abends später müde und kommen morgens schwer hoch. Das ist Biologie. Ein Handy im Bett macht es deutlich schlimmer.

Wann Schlafstörungen bei Kindern rasch abgeklärt gehören

Dringlicher, wenn euer Kind über Wochen kaum schläft, tagsüber stark leidet oder die Angst sehr groß ist.

Zeitnah zur Kinderärztin geht es bei Atempausen im Schlaf, wenn euer Kind trotz ausreichend Zeit im Bett tagsüber kaum wach bleibt oder wenn nächtliche Anfälle mit Zucken, Einnässen und Verwirrtheit auftreten. Auch wenn ein Jugendlicher nächtelang kaum schläft und dabei rastlos, getrieben oder sehr verzweifelt wirkt, wartet ihr nicht ab.

Sofort 112 oder die nächste Kinderklinik, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Mein Kind spricht davon, nicht mehr leben zu wollen, oder hat sich schwer verletzt.
  • Es besteht akute körperliche Gefahr (Kreislauf, schwere Verletzung, keine Nahrung oder Flüssigkeit mehr).
  • Es droht gerade jetzt Gewalt oder die Gefahr dauert an.

Dringend, aber nicht lebensbedrohlich: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Mehr auf der Notfallseite.

Kinderarztpraxis, Schlaflabor oder Beratung bei Schlafproblemen

Kinderärztin oder Kinderarzt; bei anhaltender Belastung Erziehungsberatung oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Die Kinderarztpraxis klärt körperliche Gründe und überweist bei Bedarf zur HNO, in die Neuropädiatrie oder ins Schlaflabor für Kinder. Bei Babys und Kleinkindern helfen Schreiambulanzen und Frühe Hilfen, die oft auch Schlafberatung anbieten.

Stecken Ängste oder Belastungen dahinter, sind Erziehungsberatungsstellen ein kostenfreier erster Schritt. Für anhaltende Ein- und Durchschlafstörungen bei Schulkindern und Jugendlichen gibt es verhaltenstherapeutische Programme, die in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie angeboten werden.

Ein Abendablauf, der beim Einschlafen hilft

  1. Schlafzeiten und nächtliches Aufwachen ein paar Tage notieren.
  2. Auf einen ruhigen, gleichbleibenden Abendablauf achten und Bildschirme vor dem Schlafen reduzieren.
  3. Bei anhaltenden Problemen einen kinderärztlichen Termin vereinbaren.

Legt gemeinsam drei, vier feste Schritte fest, die jeden Abend gleich laufen, und hängt sie als Bilder an die Tür. Zähneputzen, eine Geschichte, ein kurzes Gespräch über den Tag, Licht aus. Haltet die Aufstehzeit auch am Wochenende ungefähr gleich. Bei Ängsten hilft ein kleines Nachtlicht oder ein „Mutmach-Kuscheltier“ mehr als lange Diskussionen über Monster.

Was den Kinderschlaf eher verschlechtert

Unsicher, wo ihr anfangen sollt?

Der Wegweiser sortiert in wenigen Schritten, wie dringend es ist und welcher nächste Schritt zu eurer Situation passt.

Bei akuter Gefahr, Suizidgedanken oder schwerer Selbstverletzung sofort die 112 wählen oder die nächste Kinderklinik aufsuchen. Mehr unter Notfall. Diese Seite ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Einschätzung.

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