Was Tics sind
Tics sind plötzliche, wiederkehrende Bewegungen oder Laute, die ein Kind kaum steuern kann: Blinzeln, Grimassen, Räuspern, Schulterzucken. Sie kommen und gehen, wechseln die Form und werden bei Aufregung oder Müdigkeit oft stärker. Viele Tics treten im Grundschulalter auf und verschwinden von selbst wieder. Sie sind nicht gefährlich und kein Zeichen schlechter Erziehung.
Halten motorische und vokale Tics länger als ein Jahr gemeinsam an, spricht man vom Tourette-Syndrom. Auch das ist behandelbar und kein Grund zur Panik.
Was Eltern oft missverstehen
Tics lassen sich nur kurz und unter großer Anspannung unterdrücken, ähnlich wie das Zurückhalten eines Niesens. Dauerndes Ermahnen („Lass das doch”) erhöht den Druck und meist auch die Tics. Hilfreicher ist ein entspannter Umgang, der dem Kind nicht ständig spiegelt, dass mit ihm etwas nicht stimmt.
Woran ihr denken solltet
Tics kommen selten allein. Häufig sind ADHS oder Zwänge mit im Spiel, und manchmal belasten diese das Kind sogar stärker als die Tics selbst. Auch Hänseleien in der Schule können zur eigentlichen Last werden. Beides lohnt sich mitzubedenken.
Wann Hilfe sinnvoll ist
Eine erste Einordnung gibt die Kinderarztpraxis. Bei stärkerer Belastung, wenn Tics wehtun, den Alltag stören oder zu Ausgrenzung führen, helfen kinder- und jugendpsychiatrische oder psychotherapeutische Praxen. Den passenden nächsten Schritt findet ihr über den Hilfeweg.
Wenn die Tics nicht behandelt werden müssen
Das ist wichtig und entlastet viele Familien: Nicht jeder Tic braucht eine Behandlung. Sind die Tics mild und stören das Kind im Alltag kaum, reicht oft Aufklärung und ein gelassener Umgang. Aufklärung im Umfeld, vor allem in der Schule, nimmt dabei viel Last: Wenn Lehrkräfte und Mitschüler wissen, dass die Bewegungen oder Laute nicht absichtlich sind, sinken Hänseleien und damit der Stress, der die Tics zusätzlich anheizt. Eine Behandlung wird vor allem dann zum Thema, wenn die Tics wehtun, stark auffallen oder das Kind seelisch belasten.
Was bei belastenden Tics hilft
Wenn behandelt wird, gibt es verhaltenstherapeutische Verfahren, bei denen ein Kind lernt, das Vorgefühl eines Tics wahrzunehmen und ihm eine andere, unauffälligere Bewegung entgegenzusetzen. Das ist kein Unterdrücken mit Willenskraft, sondern ein gezieltes, angeleitetes Training. Bei stärkerer Ausprägung kann eine fachärztliche Behandlung dazukommen. Häufig lohnt es sich, zuerst die Begleitthemen anzugehen: Werden ADHS oder Zwänge mitbehandelt, entspannt sich oft auch die Tic-Belastung. Was passt, entscheidet sich nach fachlicher Einschätzung.