Probatorik
Probatorik: Probatorische Sitzungen sind die Probestunden vor einer Kassen-Psychotherapie. Bei Kindern und Jugendlichen sind bis zu sechs möglich, ohne Antrag.
Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)
Probestunden: Passt diese Praxis zu eurem Kind?
In der Probatorik entscheidet sich, ob aus einem Kontakt eine Behandlung wird. Die Therapeutin lernt euer Kind genauer kennen, stellt eine Diagnose und plant. Euer Kind merkt, ob es mit dieser Person reden mag. Ihr merkt, ob ihr euch ernst genommen fühlt. Bei Jugendlichen zählt das besonders. Eine Fünfzehnjährige, die nach drei Stunden sagt „mit der kann ich nicht“, wird in Stunde zwanzig selten plötzlich offen.
Wie viele Probestunden es gibt und wann sie liegen
Die Psychotherapie-Richtlinie erlaubt bei Erwachsenen zwei bis vier probatorische Sitzungen à 50 Minuten. Bei Kindern und Jugendlichen kommen zwei dazu, also bis zu sechs. Sie brauchen keinen Antrag und werden nicht auf das spätere Therapiekontingent angerechnet.
Vor der Probatorik steht die psychotherapeutische Sprechstunde. Spätestens nach der Probatorik und vor dem Antrag braucht die Praxis den Konsiliarbericht einer Ärztin, der körperliche Ursachen ausschließt.
Inhaltlich sind die Probestunden Arbeit. Die Therapeutin erhebt die Vorgeschichte, setzt Fragebögen ein, beobachtet euer Kind im Spiel oder Gespräch und bespricht mit euch erste Ziele. Am Ende sagt sie, welches Störungsbild sie sieht und welchen Umfang sie beantragen will.
Fragen, die ihr in den Probestunden stellen könnt
Die Probatorik ist auch eure Gelegenheit nachzufragen. Gesiezt klingt das zum Beispiel so:
- „Welches Verfahren wenden Sie an, und wie sieht eine Stunde mit unserem Kind konkret aus?“
- „Wie oft sind wir als Eltern dabei, und gibt es Termine ohne unser Kind?“
- „Wann können Sie beginnen, und mit wie vielen Stunden rechnen Sie?“
- „Was erfahren wir aus den Stunden, wenn unser Kind älter ist?“
Wenn es nach den Probestunden nicht passt
Ihr dürft aufhören und anderswo neu anfangen. Die Praxis rechnet damit, dafür sind Probestunden da. Fragt die nächste Praxis, ob sie eine eigene Sprechstunde braucht, denn die Ausnahmen für einen Therapeutenwechsel sind eng gefasst. Wer auf einen Platz wartet, kann sich die Probatorik über die Terminservicestelle vermitteln lassen, wenn das Formular PTV 11 die Behandlung als zeitnah erforderlich ausweist.
Wann euch der Begriff begegnet
- die Sprechstunde hat eine Behandlung empfohlen
- ihr wollt prüfen, ob Kind und Therapeutin zusammenpassen
- eine Praxis bietet Probetermine vor dem Antrag an
Rechtsgrundlage
- § 12 Psychotherapie-Richtlinie (Probatorische Sitzungen)
- § 32 Psychotherapie-Richtlinie (Konsiliarbericht)