Stationsäquivalente Behandlung
Stationsäquivalente Behandlung: Klinikbehandlung im Zuhause der Familie anstelle einer Aufnahme auf Station. Voraussetzung ist, dass eine stationäre Behandlung nötig wäre.
Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)
Die Klinik kommt zu euch nach Hause
Bei der StäB zieht euer Kind nicht auf Station. Stattdessen kommt ein Team der Klinik in eure Wohnung, oft täglich. Gearbeitet wird dort, wo die Schwierigkeiten entstehen: am Frühstückstisch, vor dem Schulweg, beim Streit ums Zubettgehen. Für Familien mit kleinen Geschwistern oder einem Kind, das auf Station stark leiden würde, kann das ein großer Vorteil sein. Es heißt aber auch, dass Fachleute regelmäßig in eurem Wohnzimmer sitzen. Das muss die ganze Familie mittragen.
Was § 115d SGB V verlangt
Anbieten dürfen StäB psychiatrische Krankenhäuser und psychiatrische Fachabteilungen mit regionaler Versorgungsverpflichtung. Es muss eine Indikation für eine stationäre Behandlung bestehen, und der Fall muss sich für die Behandlung zu Hause eignen. Die Klinik stellt sicher, dass Ärzt:innen und andere Fachkräfte bei Bedarf verfügbar sind. Rechtlich gilt die StäB als Krankenhausbehandlung, die Kasse zahlt sie wie einen Klinikaufenthalt.
Wie Hometreatment für Kinder praktisch aussieht
Die Kliniken gestalten das unterschiedlich. Das Zentrum für Psychiatrie Weissenau beschreibt für Kinder und Jugendliche rund sechs Wochen mit täglichen Kontakten, überwiegend zu Hause. Die Altersgrenzen weichen voneinander ab. Häufige Voraussetzungen sind, dass alle Erwachsenen im Haushalt zustimmen und dass ihr nicht zu weit von der Klinik entfernt wohnt.
Eltern und Geschwister sind fester Teil der Behandlung. Das Team leitet euch in schwierigen Alltagsmomenten direkt an, statt sie später im Gespräch nachzubesprechen.
Nicht jede Klinik bietet StäB an
StäB gibt es längst nicht überall in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wenn eine Aufnahme im Raum steht, fragt die Klinik oder ihre Institutsambulanz direkt, ob sie Behandlung zu Hause anbietet und ob eure Wohnung im Einzugsgebiet liegt.
- Wie oft kommt das Team, und zu welchen Tageszeiten?
- Wer muss im Haushalt zustimmen?
- Wie erreichen wir die Klinik nachts oder am Wochenende, wenn es eskaliert?
- Wie geht es nach dem Ende der Behandlung zu Hause weiter?
Wann euch der Begriff begegnet
- eine Klinikaufnahme wird empfohlen und euer Kind würde auf Station sehr leiden
- Geschwister oder Pflege machen Klinikbesuche schwer
- die Probleme zeigen sich vor allem im Familienalltag
Rechtsgrundlage
- § 115d SGB V
- § 39 Abs. 1 SGB V