Sozialpädagogische Familienhilfe
Sozialpädagogische Familienhilfe: Sozialpädagogische Familienhilfe (§ 31 SGB VIII) ist eine Hilfe zur Erziehung, bei der eine Fachkraft die ganze Familie über längere Zeit zu Hause begleitet.
Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)
Was passiert, wenn die Familienhilfe zu euch kommt
Eine Fachkraft, meist aus der Sozialen Arbeit oder Pädagogik, kommt regelmäßig zu euch nach Hause. Sie arbeitet mit dem, was dort tatsächlich passiert: dem Morgen, an dem drei Kinder gleichzeitig nicht aus dem Bett wollen, dem Brief vom Jobcenter, der seit zwei Wochen ungeöffnet liegt, dem Abendessen, das jedes Mal im Streit endet. Das Gesetz beschreibt den Auftrag so: Familien bei Erziehungsaufgaben, Alltagsproblemen, Konflikten, Krisen und im Kontakt mit Ämtern unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Das Ziel ist, dass ihr es irgendwann wieder ohne sie schafft.
Wie Familienhilfe zu Hause abläuft
Wie viele Stunden pro Woche kommen und wie lange die Hilfe läuft, steht im Hilfeplan. Das Gesetz sieht sie in der Regel auf längere Dauer vor. Zu Beginn klärt ihr mit der Fachkraft, woran gearbeitet wird. Das sollten eure Ziele sein, in euren Worten: „Morgens ohne Geschrei aus dem Haus“ ist ein besseres Ziel als „Erziehungskompetenz stärken“.
Familienhilfe funktioniert nur mit Mitarbeit. Das Gesetz schreibt das ausdrücklich hinein. Wenn ihr merkt, dass die Chemie mit der Fachkraft nicht stimmt, sprecht es im Hilfeplangespräch an. Ein Wechsel ist möglich.
Familienhilfe ist keine Kontrolle durch die Hintertür
Viele Eltern fürchten, dass die Familienhilfe vor allem beobachtet und berichtet. Sie schreibt tatsächlich Berichte fürs Jugendamt, und die Fachkraft hat einen Schutzauftrag, wenn sie eine Gefährdung eines Kindes bemerkt. Im Normalfall geht es aber um Entlastung und neue Routinen. Fragt zu Beginn offen, was in die Berichte kommt und ob ihr sie vorher lesen könnt. Das ist eine berechtigte Frage.
- Familienhilfe ersetzt keine Psychotherapie für ein Kind mit Angststörung oder Depression, sie kann parallel laufen.
- Familienhilfe putzt nicht und betreut keine Kinder. Sie hilft euch, das selbst zu organisieren.
- Familienhilfe kostet die Familie nichts.
Wann euch der Begriff begegnet
- die Belastung zu Hause betrifft mehrere Familienmitglieder gleichzeitig
- Beratung im Büro reicht nicht, weil die Probleme im Alltag entstehen
- das Jugendamt schlägt SPFH vor und ihr wollt wissen, worauf ihr euch einlasst
Rechtsgrundlage
- § 31 SGB VIII
- § 27 SGB VIII (Anspruch auf Hilfe zur Erziehung)
- § 36 SGB VIII (Hilfeplan)
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