Teilleistungsstörung
Teilleistungsstörung: Teilleistungsstörung ist ein älterer Begriff für umschriebene Entwicklungsstörungen wie Lese-Rechtschreib- oder Rechenstörung bei sonst passender Begabung.
Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)
Ein Bereich hakt, der Rest des Kindes nicht
Das Wort beschreibt Kinder, die in einem eng umrissenen Bereich große Schwierigkeiten haben, obwohl sie sonst gut mitkommen. Ein Mädchen erzählt flüssige Geschichten und rechnet im Kopf, schreibt aber nach drei Jahren Schule „Fata“ statt „Vater“. Das ist kein Zeichen von Faulheit. In Arztbriefen steht heute eher der Begriff aus der ICD-10-GM: umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten, Code F81. Schulen sprechen von LRS oder Rechenschwäche, die Bezeichnungen überschneiden sich, sind aber nicht gleich.
Welche Störungen dazu zählen
Im Kapitel F81 der ICD-10-GM stehen die Lese- und Rechtschreibstörung (F81.0), die isolierte Rechtschreibstörung (F81.1), die Rechenstörung (F81.2) und die kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten (F81.3). Verwandt sind die umschriebenen Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache (F80) und der Motorik (F82), die oft schon vor der Schule auffallen.
Für die Diagnose muss klar sein, dass die Schwierigkeiten nicht allein durch eine Intelligenzminderung, eine Hirnerkrankung oder fehlende Lerngelegenheit erklärt sind. Bei der Lese-Rechtschreib-Störung grenzt die ICD auch Sehprobleme ab. Deshalb gehören Seh- und Hörtest an den Anfang jeder Abklärung.
Was nach der Diagnose einer Teilleistungsstörung möglich ist
Die Diagnose stellen Kinder- und Jugendpsychiater:innen, SPZ oder spezialisierte Psychotherapeut:innen mit standardisierten Tests. Danach geht es um zwei Schienen. In der Schule hilft ein Nachteilsausgleich, etwa mehr Zeit oder Verzicht auf die Bewertung der Rechtschreibung, je nach Landesregelung. Außerschulisch hilft eine Lerntherapie, die bei drohender seelischer Behinderung das Jugendamt nach § 35a SGB VIII bezahlen kann.
Die Krankenkasse zahlt Lerntherapie nicht. Psychotherapie kommt dazu, wenn das Kind über die Jahre Prüfungsangst, Bauchweh oder eine gedrückte Stimmung entwickelt hat.
- Missverständnis: „Mehr Üben zu Hause löst das.“ Üben mit falschem Ansatz frustriert, die Störung bleibt.
- Missverständnis: „Das wächst sich aus.“ Die Schwierigkeiten werden oft kleiner, verschwinden aber meist nicht ganz.
- In der ICD-11 heißen diese Störungen Lernentwicklungsstörungen. Abgerechnet wird in Deutschland bislang mit der ICD-10-GM.
Wann euch der Begriff begegnet
- im Arztbrief oder Bericht taucht das Wort oder der Code F81 auf
- die Schule spricht von LRS oder Rechenschwäche und ihr wollt die medizinische Seite verstehen
- eine Lerntherapie oder ein Nachteilsausgleich soll beantragt werden
Rechtsgrundlage
- ICD-10-GM 2026, F81 (Klassifikation)
- § 35a SGB VIII (Eingliederungshilfe bei drohender seelischer Behinderung)
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