Diagnostik
Diagnostik: Fachliche Abklärung, ob bei einem Kind eine psychische Störung, Entwicklungsbesonderheit oder andere Belastung vorliegt und welche.
Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)
Warum eine Abklärung mehrere Termine braucht
Viele Eltern rechnen mit einem Test und einem Ergebnis am selben Tag. In der Praxis sind es eher drei bis sechs Termine: ein ausführliches Gespräch mit euch, Zeit allein mit dem Kind, Fragebögen für Eltern und Schule, manchmal eine Verhaltensbeobachtung. Dazu kommt die Frage, wie sich euer Kind seit der Geburt entwickelt hat. Bringt das gelbe U-Heft mit, Zeugnisse und alles, was Kita oder Schule schriftlich festgehalten haben. Wer gut vorbereitet kommt, verkürzt nichts, macht das Bild aber deutlich genauer.
Woraus eine kinderpsychologische Diagnostik besteht
Am Ende steht keine Zahl aus einem einzelnen Test. Fachleute legen mehrere Informationsquellen übereinander. Stimmt das, was ihr zu Hause seht, mit dem überein, was die Lehrerin beschreibt? Zeigt sich die Konzentrationsschwäche auch im Einzeltest oder nur im vollen Klassenzimmer?
Je nach Frage gehören Intelligenz- und Leistungstests dazu, Fragebögen zu Gefühlen und Verhalten, bei Verdacht auf Autismus standardisierte Beobachtungsverfahren. Körperliche Ursachen werden ärztlich mitgeprüft, etwa Hören, Sehen, Schilddrüse oder Schlaf.
Befunde werden in Deutschland weiterhin mit der ICD-10-GM verschlüsselt. Die neuere ICD-11 ist hier noch nicht offiziell eingeführt, auch wenn einzelne Fachleute ihre Begriffe schon verwenden.
Wer Diagnostik macht und was sie kostet
Für gesetzlich Versicherte übernimmt die Kasse die Diagnostik, wenn sie in einer Kassenpraxis, einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, einem Sozialpädiatrischen Zentrum oder einer Klinikambulanz stattfindet. Lerndiagnostik für LRS oder Dyskalkulie läuft teils über den Schulpsychologischen Dienst. Private Testangebote ohne ärztliche oder psychotherapeutische Anbindung zahlt ihr selbst, und ihre Ergebnisse werden von Jugendamt oder Schule nicht immer anerkannt.
Häufige Irrtümer rund um die Abklärung
- Eine Diagnose beschreibt den jetzigen Stand und kann sich mit den Jahren ändern. Sie öffnet Zugänge zu Hilfen wie Nachteilsausgleich oder Eingliederungshilfe.
- Ein unauffälliger Befund sagt nur, dass die Kriterien einer Störung nicht erfüllt sind. Eure Beobachtungen bleiben trotzdem real und können auf Belastungen anderer Art hinweisen.
- Online-Selbsttests ersetzen keine Abklärung.
Nach der Abklärung: Befundgespräch und Bericht
Am Ende steht ein Gespräch, in dem die Fachperson erklärt, was sie gefunden hat und was sie empfiehlt. Fragt dort nach, bis ihr es verstanden habt, und bittet um den schriftlichen Bericht. Den braucht ihr später für Schule, Jugendamt oder eine Therapiepraxis. Ältere Kinder und Jugendliche sollten in eigenen Worten erfahren, was herausgekommen ist.
Wann euch der Begriff begegnet
- Verdacht auf ADHS, Autismus oder eine Lernstörung
- Kita oder Schule empfehlen eine Abklärung
- für einen Antrag wird eine fachliche Stellungnahme gebraucht