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Kinder- und Jugendpsychiater:in

Kinder- und Jugendpsychiater:in: Fachärzt:in für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Diagnostiziert und behandelt psychische Störungen bei Kindern, auch mit Medikamenten.

Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)

Ärztin, Psychotherapeutin oder beides?

Die Namen klingen fast gleich und meinen verschiedene Berufe. Kinder- und Jugendpsychiater:innen haben Medizin studiert und eine Facharztweiterbildung gemacht. Sie untersuchen körperlich, ordnen Befunde ein, verordnen Medikamente und können eine Klinikeinweisung veranlassen. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen behandeln mit Gesprächen, Spiel und Übungen, verschreiben aber keine Medikamente. Für ADHS-Medikamente, schwere Depressionen, Essstörungen mit körperlichen Folgen oder Psychosen führt der Weg in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, oft parallel zu einer Psychotherapie.

Wie Praxen der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeiten

Viele Praxen arbeiten im Team mit Heilpädagogik, Sozialpädagogik oder Ergotherapie. Das geht auf die Sozialpsychiatrie-Vereinbarung zurück, die solche Teams in Kassenpraxen finanziert. Für euch heißt das: Neben dem ärztlichen Termin gibt es oft Elterngespräche, Testdiagnostik oder Gruppenangebote unter einem Dach.

Mit einer Überweisung vermittelt euch auch die Terminservicestelle einen Termin. Manche Praxen nehmen direkt an. Klinikambulanzen, sogenannte Institutsambulanzen, behandeln vor allem Kinder mit schweren oder komplexen Störungen.

Bei gesetzlich Versicherten trägt die Kasse die Kosten. Die Wartezeiten auf einen Ersttermin sind regional sehr unterschiedlich. Lasst euch auf die Liste setzen, auch wenn parallel schon eine Psychotherapie läuft, falls eine medikamentöse Frage absehbar ist.

Häufige Irrtümer über die Kinderpsychiatrie

  • Ein Termin beim Psychiater bedeutet keine Einweisung. Die allermeisten Kinder werden ambulant behandelt.
  • Medikamente werden nicht automatisch verordnet. Ob sie sinnvoll sind, wird mit euch abgewogen, bei ADHS oder Depression nach den Leitlinien.
  • Auch Kinderärzt:innen dürfen Medikamente verordnen. Die Fachärztin kommt dazu, wenn es komplizierter wird.
  • „Kinderpsychologe“ ist keine Facharztbezeichnung und kein geschützter Heilberuf.

Wann der Weg direkt in die Kinder- und Jugendpsychiatrie führt

Nicht jede Frage braucht zuerst die Psychotherapiepraxis. Direkt zur Fachärztin oder in eine Klinikambulanz gehören zum Beispiel:

  • eine Essstörung mit deutlichem Gewichtsverlust oder Kreislaufproblemen
  • Hinweise auf Wahnerleben, Stimmenhören oder starke Verwirrtheit
  • eine Depression, die sich über Wochen trotz Unterstützung verschlechtert
  • die Frage, ob ein Medikament bei ADHS sinnvoll ist oder angepasst werden muss

Wann euch der Begriff begegnet

  • eine Medikamentenfrage steht im Raum
  • die Symptome sind schwer, unklar oder betreffen auch den Körper
  • ihr wisst nicht, ob Psychiatrie oder Psychotherapie zuständig ist

Rechtsgrundlage

  • (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer, Gebiet Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
  • Sozialpsychiatrie-Vereinbarung, Anlage 11 Bundesmantelvertrag-Ärzte
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