Familientherapie
Familientherapie: Familientherapie ist eine Behandlungsform, bei der mehrere Familienmitglieder gemeinsam mit einer Fachperson an Konflikten, Mustern und Belastungen arbeiten.
Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)
Wenn die ganze Familie in die Stunde kommt
Bei Familientherapie sitzt nicht nur das Kind im Therapiezimmer, das Problem wird als etwas gesehen, das sich zwischen den Menschen abspielt. Ein Jugendlicher schweigt beim Abendessen, die Mutter redet für ihn, der Vater zieht sich zurück, die kleine Schwester macht Witze. Diese Abläufe lassen sich gemeinsam besser verändern als einzeln. Für viele Familien ist das anstrengend, weil jeder seinen Anteil sieht. Es entlastet aber auch das Kind, das sonst allein als „der Patient“ gilt.
Familientherapie bei der Krankenkasse
„Familientherapie“ ist kein eigener Leistungsbegriff der gesetzlichen Krankenversicherung. Über die Kasse läuft Arbeit im Familiensetting vor allem in der Systemischen Therapie, die der G-BA im Januar 2024 auch für Kinder und Jugendliche anerkannt hat. Sie ist seit dem 1. Juli 2024 abrechenbar. Das Kontingent liegt bei Langzeittherapie für Kinder und Jugendliche bei 36 Stunden, höchstens 48. In Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierter Therapie werden Eltern und Geschwister über Bezugspersonenstunden einbezogen.
Ein Kind muss für eine Kassenleistung eine behandlungsbedürftige Störung haben. Paarkonflikte der Eltern allein sind keine Kassenleistung. Für die eigene Paarbeziehung sind Ehe- und Lebensberatungsstellen oder Paartherapie gegen Rechnung die übliche Adresse.
Familientherapie ohne Kassenantrag
Erziehungs- und Familienberatungsstellen arbeiten häufig systemisch und laden ganze Familien ein, ohne Diagnose und kostenfrei. Kinder- und jugendpsychiatrische Kliniken und Tageskliniken haben oft Familiengespräche im Behandlungsplan. Private Praxen bieten Familientherapie gegen Rechnung an. Die Bezeichnung „Familientherapeut“ ist nicht geschützt. Fragt nach Approbation oder einer anerkannten Weiterbildung, etwa bei der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie.
- Familientherapie heißt nicht, dass die Eltern schuld sind.
- Nicht immer müssen alle zu jeder Stunde kommen. Oft wechseln Sitzungen mit allen und Sitzungen mit Einzelnen.
- Bei Gewalt in der Familie hat Schutz Vorrang vor gemeinsamen Sitzungen.
Wann euch der Begriff begegnet
- Konflikte betreffen mehrere Familienmitglieder
- nach Trennung, Tod oder Krankheit hat sich das Familiengefüge verschoben
- eine Praxis bietet Systemische Therapie an und ihr wollt wissen, was das heißt
Rechtsgrundlage
- Psychotherapie-Richtlinie des G-BA (Systemische Therapie bei Kindern und Jugendlichen, Beschluss vom 18. Januar 2024)
- § 28 SGB VIII (Erziehungsberatung)