Psychoedukation
Psychoedukation: Psychoedukation ist die verständliche Aufklärung von Betroffenen und Angehörigen über eine psychische Störung, ihre Ursachen, den Verlauf und die Behandlung.
Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)
Verstehen, was los ist, als erster Teil der Behandlung
In den ersten Stunden einer Therapie wird oft viel erklärt und wenig „gemacht“. Manche Eltern sind davon enttäuscht. Dabei ist dieser Teil Behandlung. Ein Kind mit Panikattacken, das versteht, warum sein Herz rast und dass es davon nicht stirbt, hat schon weniger Angst vor der Angst. Eltern, die wissen, dass ein Kind mit ADHS Anweisungen vergisst, weil sein Arbeitsgedächtnis überläuft, reagieren anders, als wenn sie Absicht vermuten. In den Leitlinien zu ADHS und Depression ist Psychoedukation fester Bestandteil der Behandlung.
Wie Psychoedukation bei Kindern aussieht
Bei Jüngeren geschieht das mit Bildern, Geschichten und Vergleichen. Die Angst wird als übervorsichtiger Wachhund erklärt, der bei jedem Geräusch bellt. Jugendliche bekommen Informationen eher direkt, manchmal mit Arbeitsblättern oder Apps. Eltern bekommen ihren eigenen Teil, oft in Bezugspersonenstunden, damit alle in der Familie dieselbe Sprache sprechen.
Gute Psychoedukation geht über Fakten hinaus. Sie klärt, was jeder selbst tun kann, welche Warnzeichen auf einen Rückfall deuten und wann man sich Hilfe holen sollte.
Wo Psychoedukation stattfindet
Psychoedukation gehört zu jeder Richtlinienpsychotherapie und zur kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlung. Kliniken und Tageskliniken bieten sie oft in Gruppen an, SPZ und Beratungsstellen in Elternabenden. Manche Kliniken haben eigene Gruppen für Eltern von Kindern mit ADHS, Essstörung oder Autismus.
Fragt ruhig nach, wenn euch nach einem Termin vor allem Fachwörter im Kopf bleiben. Eine gute Erklärung könnt ihr hinterher in drei Sätzen der Oma wiedergeben. Wenn das nicht gelingt, war sie noch nicht gut genug, und ein zweiter Anlauf ist euer gutes Recht.
- Psychoedukation ersetzt keine Therapie, sie bereitet sie vor und begleitet sie.
- Bücher und seriöse Webseiten können ergänzen. Sie ersetzen nicht das Gespräch über euer Kind.
- Auch Geschwister können profitieren, wenn sie erfahren, warum der Bruder sich so verhält.
Wann euch der Begriff begegnet
- eine Diagnose ist gestellt und ihr wollt verstehen, was sie bedeutet
- die ersten Therapiestunden bestehen vor allem aus Erklären
- Familie, Großeltern oder Schule sollen mit ins Boot geholt werden