Gruppenpsychotherapie
Gruppenpsychotherapie: Psychotherapie, in der mehrere Kinder oder Jugendliche gemeinsam behandelt werden. Sie ist Kassenleistung und lässt sich mit Einzeltherapie verbinden.
Von Janike Arent, Psychotherapeutin in Ausbildung (Kinder und Jugendliche, Verhaltenstherapie)
Warum eine Gruppe für manche Kinder genau passt
Viele Eltern hören „Gruppe“ und denken an zweite Wahl. Für manche Kinder ist sie die bessere. Ein Junge, der sich in der Klasse nichts zu sagen traut, übt in der Gruppe vor Gleichaltrigen, und das wirkt anders als jede Übung mit einer erwachsenen Therapeutin. Jugendliche merken, dass andere ähnliche Gedanken haben. Gruppen gibt es zum Beispiel für soziale Ängste, für Kinder mit ADHS, die Regeln im Miteinander üben, oder für Jugendliche mit depressiver Stimmung.
Der Einstieg über die gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung
Seit einigen Jahren gibt es einen niedrigschwelligen Einstieg. Nach § 11a der Psychotherapie-Richtlinie sind bis zu vier Termine à 100 Minuten möglich, bei Kindern und Jugendlichen zusätzlich bis zu 100 Minuten mit den Bezugspersonen. Dafür braucht es weder Antrag noch Anzeige bei der Kasse, und die Termine werden nicht auf eine spätere Therapie angerechnet.
Gruppentherapie als Kurzzeit- oder Langzeitbehandlung
Danach kann eine Gruppentherapie als Kurzzeit- oder Langzeittherapie folgen. Für Gruppen entfällt seit November 2019 das Gutachterverfahren. Die Kontingente unterscheiden sich nach Verfahren. In der tiefenpsychologisch fundierten und der analytischen Psychotherapie sind für Kinder und Jugendliche zum Beispiel zunächst 60 und höchstens 90 Doppelstunden vorgesehen. Viele Praxen kombinieren Einzel- und Gruppensitzungen.
Bei Kindergruppen gehören Termine mit den Eltern dazu. Manche Praxen laden dazu alle Eltern einer Gruppe gemeinsam ein. Das hat einen Nebeneffekt, den viele unterschätzen: Ihr trefft Familien, die gerade Ähnliches erleben, und hört, was bei ihnen zu Hause funktioniert.
Sorgen, die Eltern vor der ersten Gruppenstunde haben
- Steckt sich mein Kind bei den anderen an? Gruppen werden zusammengestellt. Die Therapeutin achtet darauf, wer zusammenpasst.
- Wird über mein Kind geredet? In der Gruppe gilt eine Verschwiegenheitsabsprache, die zu Beginn besprochen wird.
- Bekommt mein Kind genug Aufmerksamkeit? Das Lernen am Beispiel der anderen ist gewollt, es ersetzt Einzelzeit teilweise.
Wann euch der Begriff begegnet
- eine Praxis schlägt eine Gruppe statt Einzeltherapie vor
- euer Kind hat vor allem im Kontakt mit Gleichaltrigen Schwierigkeiten
- ein schneller Einstieg ohne Antrag wird gesucht
Rechtsgrundlage
- § 11a und §§ 29 bis 30 Psychotherapie-Richtlinie (G-BA)
- § 92 Abs. 6a SGB V