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Kinderpsychologe finden, ohne sich zu verlaufen

„Kinderpsychologe“ tippen die meisten Eltern in die Suche. Gemeint sein können fünf ganz verschiedene Stellen. Hier steht, wer was macht und wie ihr schneller an einen Termin kommt.

Ihr müsst keine Diagnose mitbringen, um Hilfe zu suchen. Ein Satz wie „Seit den Sommerferien will sie morgens nicht mehr aus dem Auto steigen“ reicht als Anfang. Einordnen ist Sache der Fachleute. Viele Suchen hängen an einer anderen Stelle fest: Die Familie steht monatelang auf der Warteliste einer Stelle, die für ihre Frage gar nicht zuständig ist. Deshalb zuerst die Landkarte.

Die Landkarte

Wer macht was?

Fünf Stellen und ein Alltagswort, das nichts über die Ausbildung verrät.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:in

Approbiert, also mit staatlicher Heilerlaubnis. Behandelt Kinder und Jugendliche bis 21. Viele haben einen Kassensitz.

Die Adresse für Psychotherapie, etwa bei Ängsten, Depression, Zwängen, Trauma oder Essstörungen.

Mehr im Glossar

Kinder- und Jugendpsychiater:in

Fachärztin. Untersucht auch körperlich und darf Medikamente verordnen.

Wenn Medikamente im Raum stehen, zum Beispiel bei ADHS. Auch bei verwickelten Bildern und in Krisen.

Unterschied zum Therapeuten

„Kinderpsychologe“

Alltagswort, kein geschützter Titel. Dahinter kann eine approbierte Therapeutin stecken, ein Psychologe ohne Heilerlaubnis oder ein Coach.

Beim ersten Anruf nach der Approbation fragen.

Woran ihr Qualifikation erkennt

Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ)

Kinderärztinnen, Psychologen und Therapeuten an einer Kinderklinik. Nur mit Überweisung.

Wenn Entwicklung, Verhalten und Körper zusammenhängen und niemand das Bild klar bekommt.

SPZ erklärt + Verzeichnis

Klinikambulanz (KJP-Institutsambulanz)

Ambulanz einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, dort behandelt ein Team aus mehreren Berufen. Meist per Überweisung.

Schwere oder akute Erkrankungen, bei denen eine Praxis allein nicht reicht.

Klinikambulanz erklärt + Verzeichnis

Erziehungsberatungsstelle

Getragen von Kommune, Kirche oder freien Verbänden. Kostenlos und ohne Überweisung.

Erste Einordnung, Streit in der Familie. Hilft auch, die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken.

Wie Beratungsstellen arbeiten

Der schnellste Weg zum Termin

  1. Sortiert die Frage. Braucht euer Kind Therapie, Diagnostik oder erst mal jemanden, der mit euch sortiert? Wenn ihr unsicher seid, hilft der Hilfeweg in fünf Minuten. Bei Entwicklungsfragen wie später Sprache oder Verdacht auf Autismus ist das SPZ der bessere Start. Geht es vor allem um Streit und Erziehung, die Beratungsstelle.
  2. Nutzt die psychotherapeutische Sprechstunde. Jede Kassenpraxis für Kinder und Jugendliche muss Sprechstunden anbieten. Ihr braucht dafür keine Überweisung, nur die Versichertenkarte. In der Sprechstunde klärt die Therapeutin, ob eine Behandlung nötig ist und welche. Bekommt ihr selbst keinen Termin, vermittelt die Terminservicestelle unter 116 117 einen.
  3. Ruft mehrere Praxen parallel an. Wartelisten sind normal. Lasst euch bei drei bis fünf Praxen gleichzeitig eintragen. Schreibt jeden Anruf mit: Datum, Uhrzeit, Praxis, Antwort. Diese Liste braucht ihr, falls ihr gesetzlich versichert seid und später Kostenerstattung beantragt.
  4. Prüft die Qualifikation. Achtet auf „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:in“, „Psychotherapeut:in“ mit Fachkunde für Kinder und Jugendliche oder Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Steht etwas anderes auf dem Praxisschild, fragt nach der Ausbildung und danach, wer die Stunden bezahlt.

Wer was bezahlt

Seid ihr gesetzlich versichert und geht in eine Praxis mit Kassensitz, zahlt die Krankenkasse alles, von der ersten Sprechstunde bis zur letzten Therapiestunde. Die Probatorik dazwischen auch. Auch die Elterngespräche gehören dazu. Eine Zuzahlung gibt es nicht.

Privatversicherte bekommen, was ihr Tarif vorsieht. Manche Tarife begrenzen die Stunden oder wollen vorher einen Antrag sehen, bei Beamtenfamilien kommt die Beihilfe dazu. Lest das vor dem ersten Termin nach. Kassenpraxen dürfen Privatversicherte ebenfalls behandeln und rechnen dann privat ab.

Ohne Kassensitz arbeiten Privatpraxen und Coaches. Klärt dort vorher schriftlich, was eine Stunde kostet. Für gesetzlich Versicherte gibt es einen Sonderweg: Findet ihr nachweislich keinen Kassenplatz in zumutbarer Zeit, kann die Kasse eine approbierte Therapeutin ohne Kassensitz bezahlen. Das ist das Kostenerstattungsverfahren nach § 13 Abs. 3 SGB V. Den Antrag stellt ihr vor Beginn der Therapie.

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Häufige Fragen

Was kostet ein Kinderpsychologe?

Für gesetzlich Versicherte nichts, wenn die Praxis einen Kassensitz hat. Dann zahlt die Krankenkasse alles ab der ersten Sprechstunde, ohne Zuzahlung. Privatversicherte bekommen erstattet, was ihr Tarif vorsieht. Manche Tarife deckeln die Stundenzahl oder verlangen vorher einen Antrag. Praxen ohne Kassensitz rechnen privat ab. Gesetzlich Versicherte können dafür unter Bedingungen Kostenerstattung nach § 13 Abs. 3 SGB V beantragen, und zwar vor Beginn der Therapie. Fragt beim ersten Anruf, wie die Praxis abrechnet.

Brauche ich eine Überweisung für den Kinderpsychologen?

Nicht für die psychotherapeutische Sprechstunde. Ihr ruft an und bringt die Versichertenkarte eures Kindes mit. Vor einer Richtlinientherapie braucht es einen Konsiliarbericht: Eine Ärztin, meist die Kinderärztin, prüft, ob körperliche Ursachen mitspielen. Das Formular dafür gibt euch die Praxis mit.

Wie finde ich heraus, ob jemand wirklich qualifiziert ist?

Fragt nach der Approbation. Die Bezeichnungen „Psychotherapeut:in“ und „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:in“ schützt das Psychotherapeutengesetz. Führen darf sie nur, wer eine staatliche Heilerlaubnis hat. Fachärztinnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie behandeln ebenfalls. In den Ambulanzen der Ausbildungsinstitute arbeiten Psychotherapeutinnen in Ausbildung unter Supervision, auch das zahlt die Kasse. „Psychologe“ oder „Coach“ allein sagt über eine Therapie-Qualifikation nichts.

Wie lange wartet man auf einen Therapieplatz für Kinder?

Auf einen festen Kassenplatz oft mehrere Monate, je nach Region. Der Einstieg geht schneller: über die psychotherapeutische Sprechstunde, die Terminservicestelle 116 117 und Wartelisten bei mehreren Praxen gleichzeitig. Ist euer Kind akut belastet, kann die Praxis nach der Sprechstunde eine Akutbehandlung beginnen, ohne Antrag bei der Kasse. Findet ihr als gesetzlich Versicherte nachweislich keinen Platz, kommt die Kostenerstattung infrage.

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